Donnerstag, 5. Dezember 2002

Atomgegner: Temelin-Sicherheitsmängel nicht beseitigt

  • "Wiederöffnung des Energiekapitels unvermeidlich"
  • Enttäuschung auch über EU

Die österreichischen Temelin-Gegner kritisieren jetzt, dass es von tschechischer Seite keinen Fortschritt bei der Behebung von gravierenden Sicherheitsmängeln in dem südböhmischen Atomkraftwerk gebe. "Die Wiederöffnung des Energiekapitels zur Sicherung österreichischer Interessen ist daher unvermeidlich", erklärte der Beauftragte des Landes Oberösterreich für grenznahe Atomanlagen, Radko Pavlovec.

Vor allem gehe aus den bisher von der tschechischen Nuklearaufsichtsbehörde SUJB präsentierten Unterlagen nicht hervor, dass die mangelhaften Sicherheitsventile ausgetauscht worden seien. Ebenso seien die Hochdruckleitungen im Bereich der so genannten "28,8-Meter-Bühne" nach wie vor nicht ausreichend abgesichert. Pavlovec: "Der Betrieb der Temelin-Blöcke stellt unter diesen Umständen ein inakzeptables Risiko dar".

Österreich muss bei EU-Verhandlungen Druck ausüben
Österreich müsse daher vom Vorbehalt zum vorläufigen Abschluss des Energiekapitels in den EU-Beitrittsverhandlungen mit Tschechien Gebrauch machen, um "eine verpflichtende Regelung zur Lösung der Sicherheitsprobleme zu erreichen", so Pavlovec, der warnte: "Nach dem endgültigen Abschluss des Energiekapitels gäbe es keinen politischen Hebel, die Beseitigung der Sicherheitsdefizite zu erwirken".

Von EU-Kommission enttäuscht
Die Oberösterreichische Plattform gegen Atomgefahr zeigte sich enttäuscht von der EU-Kommission, deren Vorschläge und Entscheidungen im Zusammenhang mit der Atompolitik "immer Negativüberraschungen" gewesen seien. Diese "atomindustriefreundlichen Entscheidungen" der EU-Kommission stünden "im krassen Gegensatz zu einem eindeutigen Willen der Europäer", sagte Mathilde Halla von der Plattform.

5.12.2002 13:51