Dienstag, 3. Dezember 2002

Schiele-Bilder: Kritik am Dorotheum und Gutachter

  • "Stehende Frau" wird doch am Mittwoch versteigert

Kein Ende im Streit um zwei Schiele-Bilder: Erika Jakubovits, Executive Director des Präsidiums der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), richtet heftige Vorwürfe gegen das Dorotheum und den Provenienzforscher Robert Holzbauer. Die Provenienz der Gemälde ist umstritten. Eines wurde von den Behörden sichergestellt. Das zweite soll heute versteigert werden.

Nachdem das Bild "Stehende Frau" (1908) nach Überprüfung der Provenienz nun doch am Mittwoch im Rahmen der "International Auctioneers Modern Art" versteigert wird, erhob Jakubovits am Dienstag in einer Aussendung gegen den Gutachter Robert Holzbauer - neben der Anzweiflung seines Rechercheergebnisses - den Vorwurf der Unvereinbarkeit. Er arbeite "im Auftrag des Archivs des Bundesdenkmalamts und als Mitglied der Kommission der Provenienzforschung, sowie neuerdings als Provenienzforscher des Dorotheums. Diese Tätigkeiten sind absolut unvereinbar und stellen einen erheblichen Interessenskonflikt dar", so Jakubovits, die "eine sofortige Reaktion des Bundesdenkmalamtes mit entsprechenden Konsequenzen für die Tätigkeit von Herrn Dr. Holzbauer erwartet".

Ungereimtheiten werden auch bei der Provenienz des von den Behörden sichergestellten Schiele-Bildes "Bildstock, Häuser und Bäume" gesehen. Es könne keinesfalls von einem Eigentum des Kunsthändlers Friedrich Welz ausgegangen werden. "Allein, dass das Bild laut Auffassung des Dorotheum 'seit vielen Jahren am Markt bekannt war und keine rechtlichen Ansprüche an dem Gemälde erhoben wurden', berechtigt noch nicht zur Schlussfolgerung, 'dass das Eigentum unzweifelhaft ist'", so die Aussendung. "Es stünde dem Dorotheum gut an", seinen Beitrag dazu zu leisten, "dass die Erben des Dr. Heinrich Rieger dieses Bild im Sinne der Gerechtigkeit möglichst rasch restituiert erhalten und den Beteiligten langwierige Gerichtsverfahren erspart bleiben", heißt es weiter.

Insgesamt hätten sich die Hoffnungen nicht erfüllt, "dass das Dorotheum bzw. deren neue junge Leitung nach der Privatisierung endlich die unrühmliche Vergangenheit des Dorotheums aufarbeitet und offen und transparent damit umgeht." In diesem Zusammenhang wird u.a. moniert, dass ein Bericht über die Rolle des Dorotheums in der NS-Zeit erst in seiner endgültigen Fassung veröffentlicht werde und die IKG keinen Archiv-Zugang bekommen habe. "Es stünde dem Dorotheum gut an, wenn es seine Vorgangsweise ändern, sich seiner Vergangenheit stellen und insbesondere einen uneingeschränkten Zugang in seine Archive gestatten würde."

3.12.2002 16:22