Einführung von Digital-TV braucht "Geduld" - und Geld
- Trappel: Nicht auf Marktdynamik verlassen
- Subventionen könnten Entwicklung ankurbeln
Wer gespannt auf die Digitalisierung der österreichischen Fernsehlandschaft wartet, muss sich in "Geduld" üben. Diese Ansicht vertrat Josef Trappel vom Baseler Prognos Institut bei einer Veranstaltung zur "Zukunft des Fernsehens" in der Rundfunk und Telekom Regulierungs GmbH. Das Problem: Derzeit wartet eigentlich niemand gespannt auf die Digitalisierung - zumindest nicht die Konsumenten und der Handel, die der neuen Technologie den nötigen Kick verschaffen müssten. Subventionen könnten hier eingreifen.
Digitales Fernsehen und Radio befinde sich derzeit in einer "Stillstandsfalle", der Weg daraus sei "steinig", so Trappels Diagnose. Auf die Kräfte des Marktes zu vertrauen, sei dabei zu wenig. Denn mit einem "Nachfrageboom" sei keinesfalls zu rechnen: Grund sei das "träge Verhalten" der Fernsehzuschauer, außerdem gebe es bereits ein üppiges Angebot an frei empfangbaren Programmen.
Decoder-Sortiment lässt zu wünschen übrig
Das Sortiment an tauglichen Empfangsgeräten - für digitales Fernsehen müssen so genannte Decoder zwischengeschaltet werden, mit denen die digitalen Signale entschlüsselt werden - werde auch noch länger zu wünschen übrig lassen. Österreich als eigener Markt sei für die großen Gerätehersteller zu klein, auch Deutschland sei noch kein verlockender Absatzmarkt. Grundsätzlich hänge die Entwicklung in Österreich aber eng mit der in Deutschland zusammen, so Trappel.
Forcierung: Fall für Medienpolitiker
Die Forcierung von digitalem Fernsehen via Antenne sei daher ein Fall für die Medienpolitiker, die "Geld in die Hand nehmen" müssten. Genau dies wurde auch vor den Nationalratswahlen angedacht. Medienstaatssekretär Franz Morak (V) schwebte ein "Digitalisierungsfonds" vor, mit dem entsprechende Einführungsmaßnahmen gestützt werden könnten. Damit könnten auch die nötigen Endgeräte subventioniert werden. Grundsätzlich eröffne nämlich die digitale Technik "neue Chancen" für die terrestrische, als via Hausantenne empfangbare, Fernsehverbreitung, betonte RTR-Geschäftsführer Alfred Grinschgl. Vor allem die Möglichkeit des so genannten mobilen TV-Empfangs würde einen Mehrwert darstellen.
Österreich: Satellit vor Kabel
Generell ist in Österreich weiter der TV-Empfang via Satellit auf dem Vormarsch, gefolgt von Kabel-TV. Letztere werden künftig vor allem in urbanen Ballungsräumen ihre Kundschaft finden und verstärkt als Telekom-Anbieter - Stichwort Breitband-Internet - auftreten, so Grinschgls Einschätzung.
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