Mittwoch, 27. November 2002

Erste Bürgerkarten ab sofort erhältlich

  • Einsparpotenzial in der Verwaltung - Indirekte Identifizierung
  • 1.400 Registrierungsstellen bis 2004 geplant

Die ersten voll funktionalen Chipkarten mit digitaler Signatur und Bürgerkarten-Funktion werden demnächst von der Österreichischen Computergesellschaft [OCG] und A-Trust ausgegeben. "Die Bürgerkarte wird ein zentrales Element in der E-Government-Strategie werden", sagte Univ. Prof. Reinhard Posch, Leiter Stabsstelle Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) des Bundes am Mittwoch in Wien anlässlich der Übergabe der ersten Bürgerkarten an OCG-Vizepräsident Roland Traunmüller.

Mit der Bürgerkarte soll der Benutzer schon bald eine Reihe von Amtswegen elektronisch von zu Hause, vom Büro oder vom Kiosk aus erledigen können, für die bisher der Weg in verschiedene Amtsstuben notwendig war. Aber auch ihr Einsatz im E-Commerce ist möglich.

E-Government
Erst durch die Bürgerkarte rücke das große Einsparungspotenzial in der Verwaltung auch in umsetzbare Nähe, meinte Posch. Für E-Government sei eine qualitativ hochwertige Identifizierung notwendig, die Bürgerkarte sei das Werkzeug dazu. Dahinter müsse aber auch eine automatisierte Verwaltung stehen. Erst die Bürgerkarte ermögliche auch die Beteilung der Bürger im Bereich der E-Governance, wo die ersten Schritte gemacht werden.

"Bürgerkarten-Funktionalität"
Die vom Zertifizierungsanbieter a.trust angebotene "a.sign Premium"-Karte umfasst neben der gesetzlich normierten Digitalen Signatur und dem "qualifizierten Zertifikat" als zusätzliches drittes Element die "Bürgerkarten-Funktionalität". Die Aufbringung dieser Funktion werde in Zukunft auf jeder "gesetzlich konformen" Chipkarte möglich sein, so a.trust-Geschäftsführer Josef Ferstl. Derzeit erfülle aber nur die von a.trust angebotene Karte diese Bedingung. Ferstl hält es für möglich, dass die Bankomatkarten für 2004 bereits Bürgerkarten-tauglich sein werden. Die von den Sozialversicherungen geplante "e-Card" werde es sein. Die Nachrüstung der im Umlauf befindlichen Chipkarten sei aber nicht möglich, da der Chip ein neues Design bekommen habe.

Die spezifische Bürgerkarten-Funktionalität ergibt sich erst durch die Einbindung der amtlich vergebenen Personenbindung in die Chipkarte. Damit wird gegenüber einer Behörde eine eindeutige Identifizierung und Authentifizierung eines elektronisch gestellten Antrags zu einer Person ermöglicht. Die Personenbindung wird dabei aus dem Zentralen Melderegister (ZMR) "abgeleitet", das heißt, es wird zwar die Personenbindung auf ihre Richtigkeit überprüft, aus Datenschutzgründen aber keine Verknüpfung mit der ZMR-Nummer definiert. "Der Schwerpunkt der neuen E-Government-Konzepte stellt nicht auf den 'gläsernen Bürger' ab, sondern hat vielmehr die Schaffung einer 'gläsernen Verwaltung' zum Ziel", so Posch.

Die Zahl der Anwendungsmöglichkeiten werde mit der Zahl der Bürgerkarten steigen, ist Ferstl überzeugt. Eine der ersten Anwendungen sei die Ausstellung von Strafregisterauszügen, die im Wirtschaftsleben etwa bei öffentlichen Angeboten immer wieder benötigt werden. Ab 2003 werde es im Rahmen von "Finanz-Online" auch für jeden Bürger möglich sein, seine Steuerangelegenheiten elektronisch zu regeln. Weitere Anwendungsgebiete seien im Stipendienwesen oder im landwirtschaftlichen Bereich zu finden. Als wesentliche Anwendung der Bürgerkarten-Funktion soll im nächsten Jahr die elektronische Zustellung dazu kommen und somit das fehlende Glied des elektronischen Antrages schließen, so Posch.

Für die "a.sign Premium"-Karte verrechnet a.trust derzeit 30 Euro für die Karte und 12 Euro für die Registrierung. Dazu kommt eine Jahresgebühr von 18 Euro sowie rund 40 Euro für das notwendige Lesegerät. Laut Ferstl gibt es derzeit 30 Registrierungsstellen, die die Identifizierung des Antragstellers durchführen. Ihre Zahl soll bis Mitte 2003 auf 260 und bis Ende 2004 auf 1.200 bis 1.400 ausgebaut werden. Registierungsstellen sollen vornehmlich bei den a.trust-Mitgliedern, also Banken, Notaren, Rechtsanwälten und Wirtschaftskammern, eingerichtet werden. Sie sollen ähnlich wie bei die Bankomatkassen mit einheitlichen Logos kenntlich gemacht werden.

27.11.2002 14:36