Hermann Maier wird 30: Ende oder Neubeginn
- PLUS: Die Bilder vom Unfall bis zum Comeback
Am Wendepunkt: Er hat alles gewonnen. Und kämpft trotzdem nach wie vor ums Comeback. Im NEWS-Interview denkt der Herminator erstmals laut übers Aufhören nach.
Die Woche vor seinem runden Geburtstag geht’s noch schnell nach Südafrika zu Dreharbeiten für einen neuen Werbespot. Aber vor dem 7. Dezember ist Hermann Maier rechtzeitig wieder daheim in Flachau. Ob ihm die Musikkapelle am Dorfplatz zum 30er am Samstag, 7. Dezember, einen Marsch blasen wird oder was sich der „Herminator“-Fanklub als Geburtstagsüberraschung einfallen hat lassen, weiß er nicht. Nur eines ist sicher: „Diesmal hab ich Zeit zum Feiern. In den letzten Jahren war ich an meinen Geburtstagen ja immer irgendwo in einem Flugzeug oder im Auto unterwegs zu einem Rennen.“
Lange Auszeit
Seit eineinhalb Jahren ist der Ski-Kaiser nach seinem Motorradunfall im August 2001 nun schon außer Gefecht. Zuletzt hatte er Anfang Oktober den bisher letzten Comeback-Versuch auf dem Söldener Gletscher nach eineinhalb Stunden mit schmerzverzerrtem Gesicht abbrechen müssen. Tief enttäuscht, fast deprimiert war er nachhause gefahren und hatte gemeint: „Ich brauche jetzt dringend eine Auszeit, muss erst einmal Abstand vom Skifahren gewinnen. Es macht einfach keinen Sinn, wenn ich jetzt weiterfahre.“ Und die gesamte Skiwelt fragte: War’s das? Ist die so aufregende und schillernde Karriere des besten Skirennläufers der letzten Jahrzehnte endgültig am Ende?
Zwei Monate lang ließ sich Maier nur selten im Olympiastützpunkt Obertauern blicken. Und wenn, dann höchstens zu Therapiesitzungen für sein beim Unfall schwer lädiertes rechtes Bein.
Dabei hatte es beim Sommertraining in Chile Anfang August noch recht gut ausgeschaut mit dem Comeback. In einem seiner ersten Zeitläufe nach der langen Rennpause erzielte der „Herminator“ prompt Bestzeit. Trainer und Teamkollegen wollten’s zunächst gar nicht glauben, wie gut er die Verletzung weggesteckt hat. Doch bereits am nächsten Tag dann die Ernüchterung: Bei einem 50-Meter-Sprung verschlug es Maier den rechten Ski, nur mit allergrößter Mühe konnte er einen kapitalen Sturz vermeiden. Eine schwere Schuhrandprellung ausgerechnet am ohnehin schon schwer angeschlagenen Bein war die Folge.
Zu früh begonnen?
Davon hat er sich bis heute nicht richtig erholt. Und kommt im NEWS-Interview inzwischen zur Erkenntnis: „Vielleicht hätte ich mir von Anfang an mehr Zeit lassen sollen, mich nicht selbst so unter Druck setzen sollen. Aber hinterher ist man bekanntlich immer g’scheiter“.
Während seine Teamkollegen in Sölden in die neue Saison starteten und seither in Übersee um Weltcuppunkte und Siegerpokale fahren, hofft der Ski-Kaiser aus Flachau daheim auf ein Wunder. Bis vor wenigen Tagen konnte er nicht einmal ohne Schmerzen richtig laufen. Die Spekulationen über seine baldige Rückkehr in den Skizirkus noch in diesem WM-Winter müssen inzwischen auf die lange Bank geschoben werden. Ein Start bei der Ski-Weltmeisterschaft in St. Moritz Anfang Februar 2003 scheint aus heutiger Sicht praktisch ausgeschlossen. Aber nur wenige in Maiers Umfeld denken momentan an den „worst case“: dass sein Crash mit einem deutschen Urlauberauto das abrupte Karriereende nach nur vier vollen Weltcupsaisonen bedeutet hat.
Tino Teller
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