Donnerstag, 28. November 2002

Jedem 2. Zusatzpensions-Bezieher droht Kürzung

  • Verband erhofft weitere Börsenerholung

Im Jahr 2003 droht fast jedem zweiten Bezieher einer betrieblichen Zusatzpension von einer Pensionskasse eine Kürzung. Von den derzeit knapp 38.000 Zusatzrentnern müssen rund 18.000 mit einer Kürzung von im Schnitt 8 Prozent oder 40 Euro pro Monat rechnen, sagte Fachverbandsvorsteher Dietmar Neyer.

Die Bandbreite der Kürzungen werde sich vermutlich zwischen minus 2 und minus 13 Prozent bewegen, einige Bezieher könnten aber auch Erhöhungen von 2 bis 3 Prozent erwarten. Bereits 2002 musste wegen der Börsen-Baisse jeder achte Kassenrentner eine Reduzierung von 3 bis 4 Prozent oder 20 Euro hinnehmen.

Die Schätzung für die Kürzung fast jeder zweiten betrieblichen Zusatzpension im genannten Ausmaß geht von einer Performance von -4 bis -5 Prozent im Gesamtjahr 2002 bei den Pensionskassen aus, die derzeit rund 7,8 Mrd. Euro Vermögen zu fast 30 Prozent in Aktien investiert haben. Bis Ende Oktober lagen die rund 110 Veranlagungs- und Risikogemeinschaften (VRG) freilich noch mit 7,2 Prozent im Minus. Ende September, vor Beginn der jüngsten Aufwärtsbewegung an den internationalen Börsen, betrug das Minus im Durchschnitt sogar noch 7,8 Prozent. Aktuell erwartet der Verband für den Ultimo eine Range von "vermutlich -3 bis -7 Prozent".

Neyer sagte, niemand habe vor einem Jahr das Ausmaß an Bilanzskandalen, Insolvenzen, anhaltenden Kriegs- und Terrordrohungen und die dadurch bedingten Rückgänge an den Börsen ahnen können: "Die Situation ist außergewöhnlich - sie betrifft die Weltkonjunktur." Neyer sprach sogar von einem "Jahrhundert-Tief" an den Börsen. Daher wage er für die nächsten 6 bis 12 Monate keine Prognose. Mittelfristig - für die nächsten fünf Jahre - rechne er aber mit einer jährlichen Performance von 6 bis 7 1/2 Prozent. Die Nachfrage nach Pensionskassen-Lösungen sei nach wie vor vorhanden.

Aktuell zählen die 13 überbetrieblichen und 7 betrieblichen Kassen 303.000 Anwartschafts- (+7 Prozent) und 37.800 Leistungsberechtigte. Ein Pensionskassenrentner erhält derzeit rund 500 Euro Zusatzpension im Monat. Die zirka 10.000 Bezieher in leistungsorientierten Systemen sind nicht von Kürzungen betroffen: Hier kommt für das Deckungserfordernis eine Nachschusspflicht auf viele Unternehmer als Vertragspartner der Pensionskassen zu.

Im Vergleich zu internationalen Börse-Indices und Pensionsfonds anderer Länder hätten sich die heimischen Pensionskassen im schwierigen Veranlagungsjahr 2002 bisher gut geschlagen, betonte Neyer. Während bis Ende September die inländischen Kassen 7,8 Prozent im Minus lagen, seien es bei den irischen Pension Funds 20,6 Prozent gewesen, bei den britischen 17 Prozent und in den Niederlanden 9,5 Prozent. Die wichtigsten Börse-Indices (von Dow Jones bis Dax) hätten bis Ende Oktober auf Euro-Basis 25 bis 39 Prozent verloren (der ATX freilich nur 5 Prozent), die Pensionskassen lediglich 7,2 Prozent.

28.11.2002 12:32