Dienstag, 26. November 2002

Zehntausende demonstrierten gegen Jobabbau bei Fiat

  • Fiat setzt Sanierungsplan bis Anfang Dezember aus
  • Verbandlungen zu Revision des Umstrukturierungsprojekts

Rund 36.000 Arbeitnehmer der krisengeschüttelten Autogruppe Fiat haben am Dienstag geschlossen gegen den geplanten Jobabbau gestreikt, dem 8.100 Arbeitsplätze zum Opfer fallen könnten. In Rom demonstrierten rund 20.000 Arbeitnehmer vor dem Regierungssitz und auf den Strassen der Innenstadt, um eine Revision des Fiat-Umstrukturierungsplans zu verlangen. Der Protestzug, an dem sich Demonstranten aus ganz Italien beteiligten, wurde von den sizilianischen Arbeitnehmern von Termini Imerese angeführt, die seit fast zwei Monaten eine scharfe Protestaktion gegen die Stilllegung ihrer Produktionswerke führen.

Im Gegensatz zu ähnlichen Protestaktionen in den vergangenen Wochen war das Klima am Dienstag heiterer als sonst. Nach dem Spitzentreffen am Montag Abend, bei dem Regierung, Gewerkschaften und Fiat-Management eine Aussetzung des umstrittenen Sanierungsplans bis Anfang Dezember beschlossen haben, um die Verhandlungen weiterführen zu können, sind die Gewerkschaften über eine mögliche Rettung der Arbeitsplätze optimistischer. Sie forderten die Regierung auf, weiterhin Druck auf Fiat auszuüben, um das Management des Konzerns zu einer Revision des Umstrukturierungsprojekts zu bewegen.

Die für 2. Dezember geplante Dienstfreisetzung von 5.000 Arbeitnehmern ist somit vorerst ausgesetzt. Am Mittwoch ist ein weiteres Treffen zwischen dem Fiat-Management und den Gewerkschaften geplant. Die Verhandlungen sollen bis 5. Dezember weitergeführt werden. Hoffnung besteht auch für die von der Stilllegung bedrohten Werke von Termini Imerese. Die 1.800 sizilianischen Arbeitnehmer, die ab 2. Dezember dienstfrei gestellt werden, sollen ab Juni wieder zur Arbeit zurück, nachdem die Anlagen für die Produktion neuer Modelle angepasst wurden.

"Wir haben einen Durchbruch geschafft. Das Unternehmen hat sich zu Verhandlungen über den Stellenabbau bereit erklärt. Jetzt beginnt die eigentliche Schachpartie", sagte der Gewerkschaftschef Guglielmo Epifani. Er rief die Regierung auf, weiterhin Druck auf Fiat auszuüben, da die Rettung der Arbeitsplätze für Italien eine absolute Priorität sei. Das Land brauche eine gesunde Autoindustrie.

Protestaktionen gegen Fiat wurden auch in anderen italienischen Städten organisiert. In der Nähe der Fiat-Produktionswerke von Cassino bei Rom blockierte die Belegschaft die Strassen, die zur Fabrikanlagen führen. Der Chef der italienischen Altkommunisten, Fausto Bertinotti, beteuerte die Notwendigkeit eines direkten staatlichen Einsatzes zur Rettung des maroden Unternehmens. "Entweder der Staat beteiligt sich an einer Sanierungsaktion, oder es wird zur Zerstückelung des Unternehmens keine Alternative geben", sagte Bertinotti.

26.11.2002 08:48