Sonntag, 1. Dezember 2002

Eberharter nervös wie mit 20, aber weiter erfolgreich

  • Tiroler fuhr in Lake Louise zum 18. Weltcupsieg
  • PLUS: Alles über die neue Ski-Weltcup-Saison 2002/03!

Stephan Eberharter hat am Samstag in Lake Louise eindrucksvoll bestätigt, dass er die Herrschaft im alpinen Ski-Weltcup im Allgemeinen und in der Abfahrt im Speziellen nicht abgeben will. Der 33-jährige Tiroler startete in die Abfahrts-Saison wie er sie im Vorjahr begonnen und Anfang März beendet hatte: Mit seinem insgesamt 18. Weltcup-Sieg (richtig), dem zweiten in dieser Saison nach dem Riesentorlauf-Triumph in Sölden und neunten in der Königsdisziplin, übernahm der ehrgeizige Zillertaler auch wieder die Führung im Gesamt-Weltcup.

Wer aber dachte, dass ein Routinier wie Eberharter die Herausforderung der ersten Abfahrt der WM-Saison ganz cool angeht, lag falsch. "Ich hatte ein nervöses Gefühl im Magen als wäre ich 20 und noch ein junger Bursche", gab ein glücklicher "Steff" zu. Der Schwierigkeitsgrad sei schon gewaltig gewesen. "Für die erste Abfahrt des Winters war es sehr schwer, sehr eisig und schnell. Ich musste die beste Linie wirklich suchen", erklärte der Riesentorlauf-Olympiasieger, der eine österreichische Armada anführte. Alle elf Österreicher unter den Top 15, auch für die erfolgsverwöhnte ÖSV-Equipe keine Selbstverständlichkeit.

Aamodt verhinderte ÖSV-Meisterschaft
Nur Kjetil-Andre Aamodt verhinderte einen Fünffach-Sieg der Skisport-Nation Nummer eins. "Auch wir kommen voran und haben einige junge Talente", sagte Aamodt, "aber es wird schwierig sein, so zu dominieren wie die Österreicher, denn dort ist Ski der Nationalsport und nur die Besten schaffen den Sprung in die Mannschaft."

"Oldies" am Siegespodest
Darunter natürlich auch Weltmeister Hannes Trinkl, der mit 34 Jahren der Älteste im Weltcup-Zirkus ist. Wie überhaupt auffällig ist, dass mit Eberharter, Trinkl und Aamodt (31) drei Routiniers jenseits der 30 auf dem Siegespodest standen. In der Abfahrt zählt der Faktor Erfahrung wohl noch mehr als in anderen alpinen Disziplinen.

Trinkl scharf auf Sieg
Der zweitplatzierte Trinkl, der auf Eberharter schon 0,49 Sekunden Rückstand aufwies, war mit Startnummer zwei ins Rennen gegangen und hielt bis zur Nummer 15 die Führung. "Ich hoffe, ich kann ihn in der nächsten Abfahrt schlagen", sagte der Oberösterreicher.

Bode Miller überraschte
Aus internationaler Sicht überraschte vor allem Bode Miller. Mit der hohen Startnummer 30 als Trainings-Schnellster fuhr er auf Platz sieben. Der US-Amerikaner war zuvor noch nie unter die Top 20 einer Weltcup-Abfahrt gekommen. Diese Steigerung könnte im Kampf um den Gesamt-Weltcup gegen Eberharter noch ein wichtiger Faktor werden. Doch daran denkt Eberharter derzeit freilich überhaupt noch nicht, er genoss seinen Erfolg. Lake Louise liegt ihm, hier hat er vor zwei Jahren auch seinen ersten von mittlerweile neun Abfahrtssiegen gefeiert. "Vom Tempo her ist die Strecke fast vergleichbar mit Kitzbühel. Für mich ist es eine der schönsten Pisten im Weltcup überhaupt", meinte er.

Neue Startregel weiter ein Thema
Trotz aller Dominanz ist das Thema neue Startregel für das ÖSV-Team noch nicht erledigt. "Wir haben uns unsere Startpositionen Jahre lang erarbeitet und werden nun dafür bestraft", ließ Eberharter auch in der Stunde des Triumphs kein gutes Haar an der Entscheidung der FIS.

Herren-Abfahrt Lake Louise:
1.Stephan EberharterAUT1:42,61
2.Hannes TrinklAUT1:43,10+0,49
3.Kjetil-Andre AamodtNOR1:43,45+0,84
4.Josef StroblAUT1:43,67+1,06
5.Fritz StroblAUT1:43,93+1,32
6.Michael WalchhoferAUT1:43,94+1,33
7.Bode MillerUSA1:43,96+1,35
8.Peter RzehakAUT1:44,03+1,42
9.Didier DefagoSUI1:44,11+1,50
10.Werner FranzAUT1:44,18+1,57
11.Thomas GraggaberAUT1:44,21+1,60
12.Klaus KröllAUT1:44,22+1,61
13.Andreas BuderAUT1:44,24+1,63
14.Kurt SulzenbacherITA1:44,26+1,65
15.Andreas SchiffererAUT1:44,58+1,97
16.Marco BüchelLIE1:44,68+2,07
17.Kenneth SivertsenNOR1:44,73+2,12
18.Franco CavegnSUI1:44,78+2,17
19.Ambrosi HoffmannSUI1:44,80+2,19
20.Alessandro FattoriITA1:44,90+2,29
.Antoine DeneriazFRA1:44,90+2,29
22.Didier CucheSUI1:44,94+2,33
23.Sebastien FournierFRA1:44,98+2,37
24.Daron RahlvesUSA1:45,01+2,40
25.Roland FischnallerITA1:45,16+2,55
26.Bruno KernenSUI1:45,19+2,58
27.Claude CretierFRA1:45,22+2,61
28.Daniel ZügerSUI1:45,23+2,62
29.Fredrik NybergSWE1:45,27+2,66
30.Peter PenSLO1:45,49+2,88

Ausgeschieden u.a.: Marco Sullivan (USA) , Patrick Staudacher (ITA) , Patrik Järbyn (SWE

1.12.2002 15:19