Donnerstag, 28. November 2002

Damen-Super-G: Gerg siegt vor Kostelic und Kostner

  • Dorfmeister 7., Meissnitzer out; Suchet brach sich Wadenbein
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Sie waren die "Zwischenzeit-Königinnen", schafften aber keinen Platz auf dem Siegespodest. Ernüchterung herrschte im ÖSV-Damenteam nach dem ersten Super G der Saison, bei dem erstmals die neue Startregel in den Speed-Bewerben zur Anwendung gekommen war. Zwar setzten sich bei der Premiere in Aspen dank einer perfekter Kunstschnee-Piste mit der Weltranglisten-Ersten Hilde Gerg vor der Olympia-Zweiten Janica Kostelic sowie Isolde Kostner die Favoritinnen durch, mit Dorfmeister (7.) kam aber nur eine Österreicherin in die Top-15. Und ob die neue Startreihenfolge nicht nur spannend sondern auch fair ist, wird sich erst zeigen.

Selbst Siegerin Gerg hielt sich nach ihrem 16. Weltcup-Triumph auf dem vom steirischen Schweden-Trainer Christian Perner gesetzten Kurs bedeckt. "Ich habe immer gesagt, dass ich erst nach Lenzerheide zur neuen Regel etwas sage", meinte die Deutsche und drückte damit diplomatisch aus, was Michaela Dorfmeister unverblümter sagte. "Hier hatten wir eine perfekte Piste. Wenn es aber einmal schneit, schaut es ganz anders aus", zeigte die Weltcup-Titelverteidigerin sorgenvollen Weitblick.

Dass Österreichs Damen im ersten Speed-Rennen der WM-Saison auf einem anspruchsvollen Kurs mit vielen Ausfällen eine empfindliche Niederlage kassierten, hatte freilich nichts mit der neuen Startreihenfolge zu tun. Sowohl Dorfmeister als auch Alexandra Meissnitzer hätten dieses Rennen gewinnen können, brachten sich aber mit Fehlern selbst um die Früchte der Arbeit.

Dorfmeister lag bei der zweiten Zwischenzeit gleichauf mit Kostner in Front und 65 Hundertstel vor Gerg, verlor aber auf den letzten 20 Fahrsekunden durch einen Riesenfehler fast eine Sekunde und wurde nur Siebente. Meissnitzer ("Aspen liegt mir, solche Chancen sollte ich eigentlich nützen") passierte die erste Zwischenzeit nach etwa 30 Sekunden mit "Lichtjahren" Vorsprung auf die Konkurrenz, verpasste dann aber ein Tor. "Wenigstens weiß ich, dass ich wieder ans Limit gehe. Das stimmt mich zuversichtlich", gab sich die Salzburgerin in Summe trotzdem positiv.

Damit ging im ÖSV-Damenteam aber so ziemlich alles schief. Die Besten schnell, aber fehlerhaft, dann fast das große Nichts. Eveline Rohregger war als 16. zweitbeste ÖSV-Fahrerin, Silvia Berger wurde 18., Tanja Schneider 20.

Mandl: "Schimpfen hilft nichts"
"Dass derzeit nur Dorfmeister und Meissnitzer im Super G für Siege gut sind, wussten wir ohnehin schon", meinte ÖSV-Damenchef Herbert Mandl und sorgte sich gleichzeitig um den "Mittelbau". "Junge wie Berger und Wilhelm sind im Bereich ihrer Möglichkeiten gefahren, da waren aber noch drei, die durchaus das Zeug hätten, in die Top-Ten zu fahren", kritisierte Mandl Routiniers wie Obermoser (24.), Heregger (28.) oder Schneider. "Schimpfen hilft da aber nichts, ihnen muss man jetzt einfach auf die Sprünge helfen," kündigte Mandl Maßnahmen an. "Sie fuhren zu passiv, das hatte mit Skifahren nichts zu tun."

Dorfmeister: Wir sind "Hampelmännern"
"Aber man geht mit uns ja um wie mit Hampelmännern", stellte Dorfmeister ernüchtert fest. "Eigentlich hätte hier in Aspen ein Streik der ersten Gruppe gehört. Aber jetzt ist das erste Rennen gefahren und damit ist das alles alles kein Thema mehr," ist sie sich bewusst. "So perfekte Bedingungen haben wir aber nur in Nordamerika oder vielleicht in St. Moritz. In Lenzerheide haben die hohen Startnummern voraussichtlich aber keine Chance mehr."

Suchet mit Wadenbeinbruch out
Die Französin Melanie Suchet hat sich bei ihrem schweren Sturz am Freitag im Weltcup-Super G in Aspen das linke Wadenbein gebrochen. Die 26-Jährige fliegt in die Heimat zurück und fällt rund sechs Wochen aus.

Weltcup-Super G der Damen in Aspen:
1.Hilde GergGER1:17,89 Minuten
2.Janica KostelicCRO1:17,95+0,06
3.Isolde KostnerITA1:18,00+0,11
4.Kirsten L. ClarkUSA1:18,06+0,17
5.Corinne Rey-BelletSUI1:18,15+0,26
6.Karen PutzerITA1:18,22+0,33
7.Michaela DorfmeisterAUT1:18,28+0,39
8.Martina ErtlGER1:18,30+0,41
9.Caroline LaliveUSA1:18,49+0,60
10.Jonna MendesUSA1:18,61+0,72
11.Daniela CeccarelliITA1:18,93+1,04
12.Mojca SuhadolcSLO1:18,99+1,10
13.Sylviane BerthodSUI1:19,07+1,18
14.Carole MontilletFRA1:19,11+1,22
15.Ingrid JacquemodFRA1:19,14+1,25
16.Eveline RohreggerAUT1:19,17+1,28
17.Julia MancusoUSA1:19,29+1,40
18.Melanie TurgeonCAN1:19,31+1,42
.Silvia BergerAUT1:19,31+1,42
20.Tanja SchneiderAUT1:19,64+1,75
21.Regina HäuslGER1:19,88+1,99
22.Monika DumermuthSUI1:20,02+2,13
23.Anja PärsonSWE1:20,13+2,24
24.Brigitte ObermoserAUT1:20,17+2,28
25.Patrizia BassisITA1:20,19+2,30
26.Kathrin WilhelmAUT1:20,28+2,39
.Tamara MüllerSUI1:20,28+2,39
28.Selina HereggerAUT1:20,36+2,47
29.Libby LudlowUSA1:20,39+2,50
30.Manuela MoelggITA1:20,40+2,51
weiter:
33.Ingrid RumpfhuberAUT1:21,16+3,27


Ausgeschieden u.a.: Alexandra Meissnitzer, Katja Wirth, Martina Lechner (alle AUT), Catherine Borghi (SUI), Elena Tagliabue, Lucia Recchia (alle ITA), Emily Brydon (CAN), Petra Haltmayr (GER), Tina Maze (SLO)

Disqualifiziert: Carolina Ruiz Castillo (ESP), Melanie Suchet (FRA)

28.11.2002 10:53