Verwirrung um Ende von IRA-Militäraktionen
- Sinn Fein dementiert Zeitungsberichte
In Großbritannien haben Berichte mehrerer Zeitungen über ein angeblich bevorstehendes Ende aller Militäraktionen der Untergrundorganisation IRA Verwirrung gestiftet. Wie unter anderem die Zeitungen "The Times", "The Guardian" und der "Daily Mirror" am Samstag unter Berufung auf "dem Friedensprozess nahe stehende Quellen" berichteten, plant die IRA eine "historische Erklärung" über das Ende ihres Jahrzehnte langen Kampfes. In Kreisen der nordirischen Republikanerpartei Sinn Fein hieß es dagegen, die Berichte seien vom britischen Geheimdienst lanciert, um Druck auf die IRA während der Verhandlungen auszuüben.
"Keiner in Irland hat irgendetwas von dieser Geschichte gehört. Und das ist der beste Gradmesser für die Richtigkeit", zitierte die britische Nachrichtenagentur PA am Samstag einen Republikaner-Sprecher in Belfast. "Niemand hat auch nur eine Ahnung, dass die IRA derartige Schritte vorhat." Den Zeitungsberichten zufolge leitet der Sinn-Fein-Politiker und frühere IRA-Kommandant, Martin McGuinness, geheime Gespräche, bei denen die IRA-Führer überzeugt werden sollen, sich von der Gewalt zu verabschieden. Die Regierung in London hat der IRA den Angaben zufolge bis Ende Februar 2003 eine inoffizielle Frist für einen endgültigen Gewaltverzicht gesetzt. Im Mai 2003 sind Wahlen in Nordirland geplant.
Es wird erwartet, dass der irische Premierminister Bertie Ahern das Thema bei einem Treffen mit seinem britischen Amtskollegen Tony Blair erörtert. Allerdings betonte ein Sprecher Aherns, es seien keine neuen Schritte von der IRA bekannt. Auch bei der britischen Regierung äußerte man sich zurückhaltend über die Medienberichte: "Was zählt sind Taten und nicht Berichte", betonte ein Sprecher Blairs.
Die nordirische Regierung und das Regionalparlament waren Mitte Oktober von der britischen Regierung suspendiert worden, nachdem bekannt wurde, dass die Republikaner das britische Nordirland-Ministerium ausspioniert hatten. Wichtige Unterlagen sollen fortgeschafft worden sein, um sie der IRA geben zu können. Sowohl Blair als auch der damalige protestantische Chef der Regionalregierung Nordirlands, David Trimble, hatten eine Auflösung der IRA zur Vorbedingung für die Fortsetzung des 1998 eingeleiteten Friedensprozesses gemacht.
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