Freitag, 29. November 2002

Mehr als 100 Hungertote im Norden Argentiniens

In der nordargentinischen Provinz San Juan sind in den ersten neun Monaten dieses Jahres 134 Menschen an Unterernährung gestorben. Dies teilten die Gesundheitsbehörden in der rund 1000 Kilometer nordwestlich von Buenos Aires gelegenen Provinzhauptstadt am Freitag mit. Innerhalb von zwei Jahren habe sich die Zahl der Hungertoten mehr als verdoppelt. Die meisten Opfer seien alte Menschen.

Seit der argentinische Staat Ende vorigen Jahres zahlungsunfähig wurde, hat sich die soziale Lage in dem einst relativ wohlhabenden südamerikanischen Land drastisch verschlechtert. Nach offiziellen Statistiken gelten inzwischen 55 Prozent der 36 Millionen Einwohner als arm. Hungertote wurden in den vergangenen Wochen auch aus den Provinzen Tucuman (13) und Misiones (49) gemeldet.

Argentinien hatte Ende 2001 den Schuldendienst auf seine Auslandsschulden eingestellt, nachdem weder Banken noch Privatanleger dem hoffnungslos überschuldeten Land länger Geld leihen wollten. Der überbewertete Peso wurde freigegeben und ist seither gegenüber dem US-Dollar um fast drei Viertel gefallen. Argentinien produziert zwar weiterhin Fleisch und Weizen, doch in den Randprovinzen ist die Armut so groß, dass sich manche Menschen nichts mehr zu essen kaufen können.

29.11.2002 21:48