Pädophilie-Skandal erschüttert Portugal
- Politiker und Prominente angeblich verwickelt
Ein Skandal um sexuellen Missbrauch von Kindern, in den Politiker und Prominente verwickelt sein sollen, erschüttert Portugal. Nach Angaben der Ex-Staatssekretärin im Sozialministerium, Teresa Costa Macedo, wurden seit über 20 Jahren Buben aus Kinderheimen der staatlichen Organisation "Casa Pia" von einem Ring von Pädophilen missbraucht. Fast das gesamte Direktorium der 200 Jahre alten Heim-Organisation wurde abgesetzt.
Ein Angestellter des Heims wurde festgenommen. Ihm wird zur Last gelegt, nicht nur selbst Kinder vergewaltigt zu haben, sondern vor allem auch Prominenten Minderjährige für sexuelle Zwecke zugeführt haben. Staatspräsident Jorge Sampaio und Ministerpräsident Jose Manuel Durao Barroso reagierten am Mittwoch erschüttert auf die Enthüllungen. Sie verlangten, dass die Vorwürfe gründlich aufgeklärt werden.
Dem Pädophilen-Ring sollen nach Medienberichten Politiker, Diplomaten, Künstler und Journalisten angehört haben. Von den Verdächtigen wurde nur ein früherer Botschafter namentlich erwähnt. Der Skandal droht das Vertrauen der Portugiesen in die Justiz ihres Landes schwer zu belasten. Die Vorwürfe gegen den Angestellten der Casa Pia waren bereits vor über 20 Jahren erhoben worden. Damals wurden die Ermittlungen jedoch unter mysteriösen Umständen wieder eingestellt.
Später gab es immer wieder Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs, denen aber nicht nachgegangen wurde. Mehrere Ex-Bewohner von Heimen der Casa Pia bestätigten nun im Fernsehen, dass sie missbraucht wurden. Die staatliche Organisation betreibt Heime in verschiedenen Städten. Dort leben insgesamt 4.000 Kinder.
