Mittwoch, 27. November 2002

GB erwartet heuer Verdoppelung des Budgetdefizits

  • Brown: "Schlimmste weltweite Rezession seit fast drei Jahren"

Großbritannien rechnet heuer mit einem Budgetdefizit von 20 Milliarden Pfund (31,2 Mrd. Euro). Gegenüber den Prognosen im Haushalt vom Monat April bedeutet dies fast eine Verdoppelung, wie Schatzkanzler Gordon Brown am Mittwoch vor dem Londoner Unterhaus einräumte. Er machte die "schlimmste weltweite Rezession seit fast drei Jahrzehnten" für diese Entwicklung verantwortlich. Die oppositionellen Konservativen sprachen von einem Armutszeugnis für die Labour-Regierung.

Auch das erwartete Wirtschaftswachstum musste Brown gegenüber April korrigieren, und zwar nach unten. Demnach rechnet die Regierung nunmehr mit einer Quote von 1,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und nicht mehr 2,0 bis 2,5 Prozent. Gleichwohl sah der Schatzkanzler keinen Anlass, das ehrgeizige Ausgabenprogramm der Regierung im Bildungs- und Gesundheitswesen zurückzunehmen. Dies würde die Stabilität im Lande gefährden, warnte er.

Auch Steuererhöhungen zur Deckung des Defizits stehen laut Brown vorerst nicht zur Debatte. Stattdessen deutete er an, er wolle lieber die Neuverschuldung erhöhen. Er betonte, dass Großbritannien gemeinsam mit den USA unter den führenden Wirtschaftsstaaten weiterhin eine Spitzenstellung einnehme. Dadurch habe das Land auch mit der weltweiten Rezession besser umgehen können als zahlreiche Konkurrenten.

"Diese Stabilität darf nicht gefährdet werden", sagte Brown an die Adresse der rund 50.000 Feuerwehrleute, die derzeit landesweit für höhere Löhne streiken. "Wir werden nichts tolerieren, was die schwer erkämpfte wirtschaftliche Stabilität in Großbritannien gefährdet", warnte Brown. Gehaltserhöhungen im öffentlichen Dienst müssten durch Produktivitätsverbesserung gerechtfertigt sein.

Brown kündigte eine Neuverschuldung von 24 Milliarden Pfund an, die in den folgenden Jahren aber kontinuierlich zurückgefahren werde. Gleichzeitig werde sich das Wirtschaftswachstum wieder auf 2,5 bis 3 Prozent beschleunigen. Als einen der Gründe nannte Brown die erwartete Belebung der Weltwirtschaft, die im kommenden Jahr voraussichtlich um 5,5 Prozent wachsen werde. Die Inflationsrate werde 2002 gemäß den Prognosen vom April bei 2,5 Prozent verharren und 2003 auf 2,25 Prozent fallen.

27.11.2002 20:58