Schizophrener wollte mit Fernbedienung Jet entführen
- Ex-Polizist ist Wiederholungstäter / 'Ich bin einer von Bin Laden'
- Mutter: "Mein Gott, er hat es wieder getan!"
Ein psychisch gestörter Ex-Polizist hat Mittwochnachmittag für Panik an Bord einer Alitalia-Maschine gesorgt. Mit einer harmlosen Fernbedienung in der Tasche ging der aus Imola stammende Stefano Savorani in Bologna an Bord des Alitalia-Flugs AZ364 nach Paris, um die Maschine zu entführen. "Ich bin ein Terrorist, ich gehöre zur El Kaida und ich werde das Flugzeug in die Luft jagen", sagte der 29-Jährige. Der Mann ist den italienischen Behörden bereits wegen anderer Aufsehen erregender Aktionen bekannt. Alle 57 Passagiere und sieben Besatzungsmitglieder seien unverletzt geblieben.
Nach der Landung auf dem militärischen Teil des Flughafens von Lyon verließ der 30-jährige Italiener Stefano Savorini gegen 16.10 Uhr gemeinsam mit den anderen Passagieren das Flugzeug und wurde von der französischen Polizei festgenommen. Bei der angeblichen Bombe hat es sich nach Angaben des französischen Fernsehsenders LCI um eine harmlose Fernbedienung gehandelt. Nach seiner Festnahme habe er um ein Gespräch mit Journalisten gebeten. Er sei offenbar nicht in Vollbesitz seiner geistigen Kräfte.
Die Fluggesellschaft Alitalia bekräftigte, dass es bei dem Entführungsversuch keine Verletzten gegeben habe. Das Personal der italienischen Fluggesellschaft und der Air France hätten die Passagiere in Empfang genommen. "Die Entführung endete ohne jede Auswirkungen." Das Flugzeug sei eine Maschine des Typs MD-80 gewesen.
"Ich bin einer von Bin Laden"
Nach italienischen Medienberichten hat sich der Entführungsversuch über Schweizer Luftraum ereignet. Der Entführer habe sei bei seinem Entführungsversuch völlig unbewaffnet gewesen, habe aber gegenüber dem Piloten so getan, als ob er eine Bombe mit sich gehabt habe. "Ich bin einer von Bin Laden (Chef des Terrornetzwerks El Kaida, Anm.)", soll er dem Piloten gesagt haben. Dieser habe daraufhin mit einem Notfallknopf die Polizei alarmiert. Auch nach seiner Festnahme soll er gegenüber Polizisten mehrmals von El Kaida und Bin Laden gesprochen haben.
Täter ist kein Unbekannter
Im Jahr 1998 hatte er versucht, einen Intercity-Zug zu entführen, der von Rom nach Mailand unterwegs war. Mit einer Spielzeugpistole hatte er dem Lokführer befohlen, Kurs nach Paris zu nehmen. Savorani wurde jedoch sofort festgenommen und in eine psychiatrische Anstalt eingeliefert.
Am 2. März 1999 kam Savorani mit der Entführung einer Air France-Maschine in die Schlagzeilen. Der Italiener war in Marseille an Bord der Maschine mit 76 Passagieren und sechs Besatzungsmitglieder gegangen, die Paris Orly anfliegen sollte. Mit einer Handgranate in der Hand zwang Savorani den Piloten, am Pariser Flughafen Charles De Gaulle zu landen. Er hatte gedroht, die Maschine in die Luft zu sprengen. Nach drei Stunden dramatischer Verhandlungen mit der französischen Gendarmerie konnte er auf dem Flughafen festgenommen werden. Mit seiner spektakulären Aktion wollte er die Anerkennung einer angeblich von ihm gegründeten religiösen Bewegung erzwingen, die sich an Marx und Engels orientiert.
"Mein Gott, er hat es wieder getan!"
Savorani, der mit seinen Eltern unweit von Imola lebt, studierte Jus in Bologna. Einige arbeitete er als Polizist, musste jedoch wegen seiner psychischen Probleme die Stelle wieder kündigen. Seine Nachbarn beschrieben ihn als "milden und ruhigen Mann".
"Mein Gott, er hat es wieder getan!", rief Savoranis Mutter Ornella, als sie am Mittwoch von Journalisten über die neueste Aktion ihres Sohnes informiert wurde. "Ich habe Stunden lang auf ihn gewartet. Heute Vormittag hatte er 500 Euro von mir verlangt und gesagt, er wolle die Studiengebühren zahlen", erklärte sie. "Mein Sohn ist schizophren. Er ist in Behandlung, er schien mir heute morgen ganz normal, aber leider habe ich mich geirrt", so die Mutter des Entführers..
