Freitag, 29. November 2002

"Anti-Knittelfelder" formieren sich übers Wochenende

  • Scheibner als möglicher Kompromisskandidat gehandelt
  • "Freiheitliches Manifest" erscheint ab Montag (Kasten rechts)

"Knittelfelder" vs. "Anti-Knittelfelder" - so lautet das aktuelle Match innerhalb der FPÖ. Sogar von einer Kampfabstimmung bei der Wahl des neuen Parteichefs am 8. Dezember in Salzburg zwischen diesen beiden 'Lagern' wird gesprochen. Traut sich die FPÖ diese Richtungsentscheidung zu? Wenn nicht, dürfte Herbert Scheibner als Kompromisskandidat bereitstehen.

Dem Vernehmen nach wird der zuletzt genannte Ex-Klubchef und Generalsekretär Norbert Gugerbauer beim Parteitag am 8. Dezember in Salzburg selbst nicht kandidieren. Er organisiere zwar federführend den parteiinternen Aufstand gegen die so genannten "Knittelfelder", die für das Scheitern der Regierung und für die Wahlschlappe verantwortlich gemacht werden. Selbst in den Ring gegen Haupt will Gugenbauer jedoch nicht steigen. Wer als Gegenkandidat aufgestellt werden soll, werde sich am Wochenende entscheiden, heißt es.

"Freiheitliches Manifest"
Das erarbeitete "Freiheitliche Manifest", das bereits Hunderte frustrierte Parteifunktionäre unterschrieben haben sollen, hebt sich deutlich von den Knittelfelder Beschlüssen ab. Unter anderem wird darin das Regime von Iraks Diktator Saddam Hussein, den Altobmann Jörg Haider in diesem Jahr zwei Mal besucht hat, verurteilt. Das Manifest soll Anfang kommender Woche in Tageszeitungen als Inserat veröffentlich werden.

Der geschäftsführende Parteiobmann Herbert Haupt wollte auf Anfrage der APA am Freitag die Vorgänge in seiner Partei nicht kommentieren. Sein Sprecher verwies auf Haupts Aussage im jüngsten "Format", wonach ein Gegenkandidat keine Schande sei. Haupt wörtlich: " Ich habe in aller Klarheit gesagt, dass ich am Parteitag in Salzburg kandidieren werde. Notfalls auch gegen einen Gegenkandidaten. Das ist für eine Partei keine Schande, sondern eine Chance, hinter einem Kandidaten eine klare Mehrheit zu vereinen. Derzeit gehe ich aber davon aus, dass ich dort der einzige Kandidat sein werde."

Gorbach: "Manifest inhaltlich ok"
Der Vorarlberger FPÖ-Landesobmann Hubert Gorbach, der gestern mit der Abspaltung seiner Landesorganisation gedroht hat, setzt jetzt auf Stabilisierung und Beruhigung der Lage. Auf Anfrage der APA erklärte er Freitagnachmittag, er habe das "Freiheitliche Manifest" der "Anti-Knittelfelder" nicht unterschrieben: "Inhaltlich ist das ok. Ich habe kein Problem damit. Aber mit Manifesten und Resolutionen wird die Situation nur angeheizt. Wir müssen die Partei beruhigen und stabilisieren."

Böhmdorfer und Scheibner gegen Kampfabstimmung
Justizminister Dieter Böhmdorfer spricht sich gegen eine Kampfabstimmung um den Parteivorsitz bei der FPÖ aus: "Jede Gegenkandidatur wäre eine Belastung für Herbert Haupt". Jetzt brauche man Einigkeit und Geschlossenheit, und diese vermittle Haupt, so Böhmdorfer im "Standard" (Samstags-Ausgabe). Zuletzt war ja spekuliert worden, dass sich auf Wunsch der "Anti-Knittelfelder" ein Gegenkandidat zu Haupt beim Parteitag am 8. Dezember findet. Als mögliche Kompromissvariante wurde gegenüber der APA Verteidigungsminister Herbert Scheibner genannt.

Auch dieser spricht sich klar gegen eine Kampfabstimmung aus. Scheibner, der sich von Mittwoch bis Freitag zu einem Besuch in Pakistan und Afghanistan aufhielt, erklärte auf dem Rückflug von Kabul nach Wien gegenüber der APA, er kenne und schätze Norbert Gugerbauer, "der mein erster Klubobmann war", so wie er auch den gegenwärtigen Parteichef Herbert Haupt schätze.

Scheibner als Kompromisskandidat?
Die FPÖ, so Scheibner, wäre aber besser beraten, sich noch im Vorfeld des Parteitags zu konsolidieren, anstatt eine weitere "Zerreißprobe" in Form einer Kampfabstimmung zwischen Haupt und Gugerbauer zu riskieren. Scheibner, der in der Gerüchteküche als einer der Unterstützer der Anti-Knittelfelder rund um Gugerbauer gehandelt wurde, erklärte, definitiv nicht darin involviert zu sein.

29.11.2002 12:12