Samstag, 23. November 2002

Zügige MobilCom-Sanierung nach Schulden-Einigung

  • Vorverträge und lose Vereinbarungen werden umgearbeitet

Endlich hat sich der deutsche Mobilfunk-Anbieter MobilCom mit dem neuen Großaktionär France Telecom geeinigt - die Franzosen übernehmen die Schulden des maroden Konzerns. Aber die Rettung ist kein Startschuss zum Feiern. Stattdessen soll jetzt zügig und umfassend saniert werden.

"Das wird jetzt alles sehr schnell gehen", sagte Unternehmenssprecher Matthias Quaritsch am Samstag im deutschen Büdelsdorf. Diverse Vorverträge und Vereinbarungen müssen in rechtsgültige Verträge umgewandelt werden und vor allem die versprochenen Gelder fließen, um die Insolvenz des Unternehmens abzuwenden.

Die Aufmerksamkeit der Aktionäre und Finanzmärkte richtet sich nun auf den kommenden Donnerstag, an dem MobilCom seine Neun-Monats- Zahlen veröffentlichen will. Daraus wird sich ablesen lassen, wie stark die Krise das Geschäft des Mobilfunkunternehmens beeinträchtigt hat. Bereits im ersten Halbjahr hatte sich abgezeichnet, dass die mögliche Insolvenz des Unternehmens und die monatelange Präsenz in den Schlagzeilen es für MobilCom zunehmend schwieriger machte, neue Kunden zu gewinnen.

Tauziehen ist zu Ende
Mit dem Einverständnis der Franzosen ist das Tauziehen um MobilCom praktisch zu Ende. Sowohl die Büdelsdorfer als auch France Telecom müssen die Vereinbarungen noch in Hauptversammlungen ihrer Unternehmen zu Beginn des kommenden Jahres billigen lassen. Die rechtlichen Auseinandersetzungen zwischen France Telecom, Unternehmensgründer Gerhard Schmid und MobilCom werden eingestellt.

Deutsche schieben Schuld auf Franzosen
Schmid begrüßte die Einigung, konnte sich aber nicht verkneifen, noch einmal nachzulegen. "Die jetzt anstehende Entschuldung ist letztlich den sehr belastbaren Verträgen mit den Franzosen zu verdanken", teilte er mit. "Darauf habe ich immer hingewiesen und so verhindert, dass sich France Telecom aus der Verantwortung stiehlt."

Eine nachhaltige Sanierung und dauerhafte Rettung ist aber nur möglich, wenn MobilCom seine Marktanteile im Mobilfunkgeschäft verteidigen kann und seine Kundenbasis hält. Die Mobilfunkbranche ist insgesamt durch eine weitgehende Sättigung des Marktes und den schwachen Konsum an die Grenzen ihres Wachstums gestoßen. Ob neue Anwendungen und der UMTS-Standard zu einem Wachstumsschub führen werden, steht derzeit in den Sternen.

23.11.2002 16:08