Turin rebelliert gegen Jobabbau bei Fiat
- Zehntausende auf der Straße
- Proteste und Streikaktionen in ganz Italien
Turin rebelliert gegen Fiat und seinen drastischen Umstrukturierungsplan, dem in den nächsten Monaten 8.100 Arbeitsplätze zum Opfer fallen werden: Zehntausende Turiner demonstrierten am Freitag auf den Straßen der Innenstadt, um gegen das Fiat-Management zu protestieren, das unbekümmert der hohen sozialen Kosten auf seine Sanierungsvorhaben beharrt.
Die ganze Stadt legte aus Solidarität mit der Fiat-Belegschaft vier Stunden lang die Arbeit nieder. Unternehmen, Büros und Schulen waren am Vormittag leer, dafür umso überfüllter Straßen und Plätze. "Italien braucht eine Autoindustrie, Turin will leben", lautete der Slogan der Demonstranten.
Geführt wurde der Protestzug vom Bürgermeister der Industriestadt, Sergio Chiamparino, sowie von mehreren Spitzenvertretern der Gewerkschaften und der Opposition, darunter der Chef der italienischen Altkommunisten, Fausto Bertinotti, der seit Wochen für einen Einstieg des Staates zur Fiat-Rettung plädiert. Aufgebrachte Demonstranten besetzten einige Stunden lang den Zentralbahnhof Porta Nuova, was den Bahnverkehr lahm legte und erhebliche Probleme verursachte.
Demonstrationen fanden auch in Termini Imerese (Sizilien) statt. Die lokalen Fiat-Werke, in denen das Automodell Punto hergestellt wird, soll laut dem Fiat-Umstrukturierungsplan am 2. Dezember gesperrt werden. "Wir sind verzweifelt. In zwei Wochen werden wir unsere Stelle verlieren und niemand weiß, wie es mit uns weitergehen wird", sagte ein Fiat-Arbeitnehmer. Der Protestaktion der Belegschaft der Autogruppe schlossen sich auch Vertreter der Globalisierungsgegner an.
Die Gewerkschaften fordern Fiat auf, sich von der Autosparte nicht zurückzuziehen, sondern verstärkt für neue Modelle zu investieren. "In punkto Investitionen muss Volkswagen das Beispiel sein. Der deutsche Konzern wird in den nächsten fünf Jahren 30 Mrd. Euro für neue Modelle investieren. Dies beweist, wie viel Fiat tun noch muss, um weiterhin konkurrenzfähig zu bleiben", sagte der Chef des stärksten Gewerkschaftsverbands im Land, Cgil, Guglielmo Epifani.
Gewerkschaften und Belegschaft fiebern dem am Montag geplanten Treffen zwischen Fiat-Management und Regierung entgegen. Das Treffen ist laut Fiat-Belegschaft die letzte Hoffnung, um die massive Kündigungslawine abzuwenden. Die Gewerkschaften riefen die Regierung Berlusconi auf, Druck auf Fiat zu machen und das Unternehmen zu zwingen, auf den massiven Stellenabbau zu verzichten.
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