Montag, 18. November 2002

Betriebsrat über Taus-Gruppe erfreut

  • Arbeitsplätze bleiben fast zur Gänze erhalten

Sehr erfreut über die Taus-Gruppe als neuer Libro-Eigentümer zeigt sich heute der Betriebsratsvorsitzende der insolventen Buch- und Medienhandelskette Werner Kratochwil. "Ich bin sehr zufrieden, dass der Deal so gelaufen ist", sagte Kratochwil. "Damit ist eine riesige Last von unseren Schultern". Er gehe davon aus, dass die rund 1.500 Arbeitsplätze fast zur Gänze gehalten werden können.

Der Industrielle und Ex-VP-Politiker Josef Taus, der Montag bereits in der Libro-Zentrale zu werken begonnen hat, werde in den nächsten Tagen mit dem Betriebsrat zu Gesprächen zusammentreffen, sagte Kratochwil. Er rechne, dass knapp unter 200 Standorte bestehen bleiben werden. Filialen, wo es Probleme mit den Mietverträgen gebe, werden voraussichtlich geschlossen werden müssen.

Der Libro-Verkauf an die Taus-Gruppe wird wahrscheinlich per Jahreswechsel über die Bühne gehen. Es ist geplant, dass der neue Eigentümer die Libro AG in eine neu zu gründende Gesellschaft einbringt. Um die Lagerbestände wieder aufzufüllen und Libro wieder auf Vordermann zu bringen, muss die Taus-Gruppe rund 40 Mio. aufbringen, schätzt Kratochwil. Die Filialen, die dann doch nicht weitergeführt werden können, sollen vom US-Liquidationsprofi Gordon Brothers verwertet werden.

Zum Firmenimperium des ehemaligen VP-Spitzenpolitikers Taus gehören u.a. die Herold-Druckerei, der Ed.Hölzel-Verlag sowie die Maschinenbaufirma Mauser. Über ein Konsortium ist Taus heuer auch beim größten bulgarischen Mobilfunkanbieter Mobitel eingestiegen. Taus war allerdings nicht immer als Unternehmer erfolgreich. Seine MTH war zu 40 Prozent an der KTM beteiligt, als diese in die Insolvenz schlitterte. Im Sommer dieses Jahres ist die Bank für Arbeit und Wirtschaft (Bawag) als zweiter strategischer Partner neben der Hypo Unternehmensbeteiligung bei der MTH AG eingestiegen.

Bis spätestens kommenden Mittwoch wird der Gläubigerausschuss den Libro-Deal absegnen. Für die Gläubiger werde, so Johann Kosstal vom Kreditschutzverband von 1870 (KSV), nur eine "Miniquote unter 10 Prozent" herausschauen. Knapp die Hälfte des Kaufpreises von 5 Mio. Euro geht an die Gläubigerbanken.

18.11.2002 13:41