Montag, 18. November 2002

Post & Telekom: 50.000 Mitarbeiter wählen Betriebsrat

  • Ergebnisse Mittwochabend
  • Gewerkschaft erwartet Stimmungsbild für Nationalratswahlen

Bei Post und Telekom haben am Montag dreitägige Betriebswahlen begonnen. Fast 50.000 Mitarbeiter - rund 33.000 bei der Post und 14.000 bei der Telekom - wählen ihre Personalvertreter für die nächsten vier Jahre. Insgesamt geht es in beiden Bereichen um rund 760 gewählte Personalvertretungsposten. Parallel zu den Betriebsratswahlen finden am Montag und in den nächsten beiden Tagen bei der Gewerkschaft der Post- und Fernmeldebediensteten (GPF) auch Gewerkschaftswahlen statt. Die letzten Wahllokale schließen am Mittwoch um 20 Uhr. Ein Ergebnis wird gegen 22 Uhr erwartet.

Um die Mandate in der Personalvertretung rittern die FSG (Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter), die FCG (Fraktion Christlicher Gewerkschafter), die FA (Freiheitliche Arbeitnehmer) sowie bei der Post die GLB (Gewerkschaftlicher Linksblock) und bei der Telekom die den Grünen nahe stehende Liste "...we 4 you".

Zum ersten Mal in der Geschichte der Unternehmen fallen die Personalvertretungswahlen bei Post und Telekom in die selbe Woche wie die Nationalratswahlen. Martin Palensky vom Post-Zentralausschuss rechnet mit einer gewissen Signalwirkung der PV-Wahlen im Hinblick auf die Nationalratswahlen am Sonntag. "Post und Telekom sind keine Kleinbetriebe. Da zeigt sich sicherliche ein Stimmungsbild", meint der Gewerkschafter.

Bei den bisher letzten Betriebsratswahlen im Jahre 1998 hatte in der Post die FSG 60,98 Prozent der Stimmen erhalten, die FCG 28,96 Prozent, die FA 7,76 Prozent und der GLB 2,31 Prozent. Auch in der Telekom gewann 1998 die FSG mit 58,91 Prozent die Wahlen klar vor der FCG mit 30,47 Prozent, der FA mit 7,5 Prozent und der GLB mit 3,11 Prozent.

Der diesjährige Wahlkampf der Post- und Telekom-Personalvertretung war vor allem von den Restrukturierungsmaßnahmen in beiden Unternehmen geprägt. Die Telekom hat bereits den Großteil der bis 2005 geplanten 5.000 Mitarbeiter abgebaut, die Post will bis 2004 noch 2.500 und damit seit 1999 insgesamt 6.000 Mitarbeiter abbauen.

Die Wahlbeteiligung lag 1998 bei rund 87 Prozent. Ob sie diesmal wieder so hoch sein wird ist offen. Negativ auswirken könnte sich vor allem ein dann letztendlich gestopptes Beförderungsschema für Personalvertreter, das im Vorjahr für Aufregung Affäre gesorgt hatte. Der damalige Vorsitzende der Postgewerkschaft, Hans-Georg Dörfler, war damals auf Grund der politischen Vorwürfe zurückgetreten.

In einem Rechnungshof-Rohbericht, der im Juli veröffentlicht wurde, hieß es, dass dienstfrei gestellte Personalvertreter überdurchschnittliche Karriereverläufe gegenüber ihren Kollegen gemacht hätten. Laut Post-Generaldirektor Anton Wais und dem nunmehr obersten Post-Personalvertreter Gerhard Fritz sind die Missstände aber mittlerweile abgestellt worden.

18.11.2002 12:45