Freitag, 22. November 2002

Austria-Torjäger Gilewicz muss drei Monate pausieren

  • Katerstimmung bei Veilchen nach 1:2-Niederlage gegen Sturm
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Während Sturm Graz nach dem überraschenden 2:1-Sieg bei der Austria jubelt, herrscht bei den Veilchen Katerstimmung: Zum einen, weil die drei letzten Pflichtspiele (gegen Porto, Ried und Sturm) verloren gingen. Zum anderen, weil einer der wertvollsten Spieler für längere Zeit pausieren muss. Am Montag kam die Hiobsbotschaft, dass der verletzte Torjäger Radoslav Gilewicz wegen eines Adduktorenabrisses zumindest drei Monate ausfallen wird.

Der polnische Stürmer unterzog sich nach einer in der Vorwoche erlittenen Trainings-Verletzung Montagmittag einer genauen Untersuchung bei Vereinsarzt Dr. Alexander Kmen. Diese ergab, dass Gilewicz einen Adduktoren-Abriss erlitt. Gilewicz war in der bisherigen Saison mit neun Treffern bester Schütze im violetten Dress und viertbester Goleador der Liga.

Kartnig mit "Schwarzem Sonntag" rundum zufrieden
Schwarz war DIE Farbe des Sonntags. Die ÖVP ging aus der Nationalratswahl als eindeutiger Sieger hervor und die Blackies, wie Sturm Graz in Anspielung auf die Klubfarben genannt wird, gewannen den Schlager der 20. Runde zur Fußball-Bundesliga vor 6.328 Zuschauern im Horr-Stadion gegen Austria Wien ebenso überraschend 2:1 (2:0). "Das war heute ein schwarzer Tag, sowohl in politischer als auch in sportlicher Hinsicht", stellte Sturm-Boss Hannes Kartnig zufrieden fest.

Austria-Mäzen Frank Stronach wird Favoriten nach der ersten Heimniederlage seit 28. April (0:2 gegen GAK) wohl mit der Erkenntnis verlassen haben: Brav und gut gespielt, auch bemüht, aber unglücklich verloren. "Er ärgerte sich ein bisschen", bemerkte Kartnig, der gemeinsam mit dem Austro-Kanadier das Spiel in der Magna-Loge verfolgt hatte. Der Sturm-Präsident gestand aber ein, dass seine Mannschaft auch Glück gehabt habe. Beeindruckt war er von der aggressiven Kampfkraft der Austria: "Diese fehlt uns noch, wir machen noch zu viele Fehler."

Daum sah viele Fehler
Denn Austria, die u.a. auf die Kreativkräfte Janocko und Djalminha sowie Dheedene und Gilewicz hatte verzichten müssen, setzte nach rund 25 Minuten beim Stande von 0:1 (Amoah) zu einem Sturmlauf an. "Wir haben unsere Möglichkeiten nicht genützt. Gemessen an den Torchancen war mehr als ein Treffer drin", resümierte Christoph Daum, der "unheimlich viele Abspielfehler im Aufbau" gesehen hatte. Dazu gesellten sich noch der nicht funktionierende "vorletzte Pass" und "einige Probleme in der Zuordnung". "Wir sind nicht eng genug gestanden, das nützt eine Mannschaft wie Sturm eben aus", meinte der Austria-Trainer.

Herbstmeister-Titel schwacher Trost
"Es ist sehr ernüchternd, wenn man feststellen muss, dass das Bemühen zwar da war, die Qualität aber gefehlt hat", sagte Daum nach der zweiten Liga-Niederlage als violetter Feldherr, nachdem er im Trainer-Duell mit seinem Landsmann Franco Foda den Ausgleich zum 1:1 hatte hinnehmen müssen. Der Glaspokal für den Titel des inoffiziellen Herbstmeisters, den Liga-Vorstand Thomas Kornhoff an Kapitän Michael Wagner vor dem Ankick überreicht hatte, war ein schwacher Trost an diesem Nachmittag.

Austria: Nur noch in den Winter retten
Ebenso die Tatsache, dass die Wiener in der Tabelle mit je elf Zählern gegenüber den punktegleichen Verfolgern Pasching und Sturm weiterhin einen beruhigenden Vorsprung aufweisen. Doch Daum meint: "Am nächsten Wochenende müssen wir die Heimpartie gegen den GAK halbwegs überstehen und während der Winterpause kräftig durchatmen." Letzteres darf Sturm vorerst noch nicht. Auf die Steirer warten noch die UEFA-Cup-Duelle mit Lazio Rom. Trainer Franco Foda war über das 2:1 daher besonders glücklich.

Gegen Lazio muss Sturm konzentrierter agieren
"Das gibt der Mannschaft Selbstvertrauen, jetzt können wir uns in aller Ruhe darauf vorbereiten", so der Deutsche, der jedoch hinzufügte: "Solche Chancen, wie die Austria hatte, werden von den Italienern sicher bestraft." Daher müssten seine Mannen noch konzentrierter und enger zu den Gegner stehen. Hinsichtlich Taktik hatte Foda gegen die Austria nicht viel auszusetzen: "Wir wollten sie mit Forechecking unter Druck setzen. Das ist gelungen und wir sind verdient 1:0 in Führung gegangen. Doch danach zogen wir uns zu weit zurück." Nach dem glücklichen 2:0 (Szabics) hätten sich seine Schützlinge verstärkt auf die Defensive und das Kontern verlegt und versucht, das Resultat zu halten.

Goalie Weber "Man of the Match"
Letztlich gelang es auch. Es waren übrigens Sturms erste Punkte im fünften Anlauf gegen Violett in diesem Jahr und die ersten Tore in dieser Saison nach dem 0:2 in Graz und dem 0:4 in Wien. Hauptanteil, dass die Negativserie der Grazer endete, hatte der überragende Heinz Weber. "Das Horr-Stadion wurde für uns vor drei Wochen zum Horror. Dass die Revanche glückte, ist ein wunderschönes Gefühl, zu dem alle beigetragen haben", lobt der Torhüter seine Vorderleute. Das ganze Sturm-Lager freute sich, im Kampf um den wichtigen zweiten Tabellenplatz einen überaus wertvollen Erfolg gelandet zu haben.

Austria Wien - Sturm Graz 1:2 (0:2)
Wiener Horr-Stadion, 6.328, Steiner.

Torfolge:
0:1 (12.) Amoah
0:2 (45.) Szabics
1:2 (55.) Rushfeldt

Austria: Mandl - Scharner (80. Martin Hiden), Julio Cesar (76. Akoto), Ratajczyk, Dospel - Hasek (57. Hopfer), Flögel, M. Wagner, Kvisvik - Rushfeldt, Helstad

Sturm: Weber - Golemac - Angan, Strafner - Wetl, Masudi (85. Dag), Mählich, Brzeczek, Rojas - Amoah (67. Korsos), Szabics (90. Rauter)

Gelbe Karten: Hopfer bzw. Strafner, Brzeczek, Mählich, Masudi

Die Besten: Ratajczyk, Scharner bzw. Weber, Brzeczek, Masudi, Szabics

22.11.2002 15:06