Schönfelder holt einzigen ÖSV-Sieg in Park City
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ÖSV-Betreuer Roberto Brunner warf ihm sein um 30 Prozent Steuer reduziertes Preisgeld (23.968,35) in zentimeterdicken Dollar-Bündeln auf den Tisch, auf dem Kopf trug er eine ziemlich verrückte Glücks-Mütze, am Körper das allererste rote Trikot seiner Karriere, das ihn als Weltcup-Leader ausweist. Rund um Rainer Schönfelder ist immer etwas los. Der sangeslustige Kärntner hat als erster Saison-Slalomsieger in Park City nicht nur für den einzigen ÖSV-Sieg dieses Ski-Wochenendes gesorgt, sondern sich auch als ungewohnter Frühstarter etabliert.
"Bisher bin ich immer erst im Jänner oder gar Februar auf Touren gekommen", staunte der "Rastaman" über sich selbst.
Die Gründe, warum es heuer schon im November klappt, sind freilich schnell gefunden. Der einstige Tüftler hat zwar auf diese Saison hin vom Ski über die Stöcke bis zur Brille das komplette Material gewechselt, sich aber speziell mit dem "Goldgriff" zum neuen (Fischer-)Ski auf Anhieb so wohl gefühlt, dass sich schnell Stabilität eingestellt hat. Und deshalb hat der Teilzeit-Popstar mit den Rasta-Locken, dessen zweite Single (Popmusic) Anfang Dezember erscheint, schon beim Training mit einem Sieg im NorAm-Slalom in Colorado überzeugt.
"Schöni" schwärmt von seinen Ski
"Ich habe früher beim Herumprobieren immer wieder Fehler gemacht, deshalb bin ich's diesmal anders angegangen", erzählte "Schöni" und schwärmt vor allem von den Ski, mit denen im Vorjahr noch Bode Miller große Erfolge gefeiert hatte. Während sich beim US-Star der Wechsel zu Rossignol nur finanziell ausgezahlt hat, fühlt sich Schönfelder in der "kleinen Familie" sauwohl. "Ich kann mich mehr einbringen und das Verhalten des Skis deckt sich mit meinen Vorstellungen von einem schnellen Schwung."
Spezielle Taktik
Jener schnelle Schwung, mit dem er am Sonntag in Park City zum dritten Weltcup-Sieg seiner Karriere carvte. Mit spezieller Taktik in vielen Bereichen. Der Kitzbühel-Sieger schaut seinen Konkurrenten so lange wie möglich zu, um zu wissen, was wirklich abgeht auf dem Hang. "Ich hasse es, Fehler zwei Mal zu machen", erinnerte er sich selbst an seinen "verschlafenen" Riesentorlauf und schaffte es prompt als einziger aus den Top-Ten, seinen Vorsprung trotz miserabler Piste ins Ziel zu retten.
"Jetzt gewinnt wieder der Skifahrer"
Dass ÖSV-Trainer Gert Ehn den zweiten Lauf extrem drehend gesetzt hatte, war ein Hinweis auf die taktische Kriegsführung im Slalom, während die Carving-Revolution weitgehend abgeschlossen zu sein scheint. Was vor rund drei Jahren bei den Damen mit der WM 1999 in Vail und bei den Herren mit dem Sieg von Finn-Christian Jagge in Madonna begonnen hat, neigt sich dem Ende zu. Die Skilängen haben sich bei Damen und Herren eingependelt, "jetzt gewinnt wieder der Skifahrer, weil alle Firmen auf einem Level sind", weiß auch Schönfelder.
ÖSV gewann Taktik-Duell gegen Kroatien
Ehn reagierte mit seinem drehenden Lauf auf die "Diretissima", die der kroatische Betreuer Jovan zunächst für Ivica Kostelic gesetzt hatte. Sechs Tore bzw. um fast acht Sekunden differenzierende Laufzeiten sagten alles. "Kostelic hat bei uns mittrainiert und war auf engen Kursen nie schnell", stellte Herrenchef Toni Giger schmunzelnd fest. Schönfelder: "Wir haben im Training alle Kursarten trainiert und sind eben für alles gewappnet."
Ausbrechen aus "Konservativismus"
Gewappnet ist Schönfelder auch für seine Musik-Karriere, deren Vereinbarkeit mit dem Skirennsport am Anfang viele bezweifelt hatten. "Die Kritik hat sich gelegt. Es ist ja alles nur eine Frage der Planung und die ist komplett auf mich abgestimmt", so Schönfelder. Skifahren sei natürlich weiter seine Hauptbeschäftigung, "aber das andere macht mir enormen Spaß, ist eine Herausforderung. Ich steh' auf die Auftritte, das Tanzen, den Applaus. Und wenn es den Leuten gefällt, werde ich auch weiter machen." Ganz sicher nicht wolle er damit vielleicht das Bild des "dummen" Skifahrers korrigieren. "Vielleicht aber ist Skifahren ja wirklich ein etwas konservativer Sport. Und ich gebe den Anstoß zum Ausbrechen. Sport ist Show, Show ist Sport."
| Endstand des Weltcup-Slaloms der Herren in Park City: | ||||||
| 1. | Rainer Schönfelder | AUT | 1:46,56 Minuten | 49,30 | 57,26 | |
| 2. | Pierrick Bourgeat | FRA | 1:46,66 | +0,10 | 50,43 | 56,23 |
| 3. | Benjamin Raich | AUT | 1:46,89 | +0,33 | 50,16 | 56,73 |
| 4. | Manfred Pranger | AUT | 1:47,38 | +0,82 | 50,36 | 57,02 |
| 5. | Truls Ove Karlsen | NOR | 1:47,46 | +0,90 | 50,52 | 56,94 |
| 6. | Jean-Pierre Vidal | FRA | 1:47,50 | +0,94 | 49,96 | 57,54 |
| 7. | Chip Knight | USA | 1:47,52 | +0,96 | 50,85 | 56,67 |
| 8. | Kilian Albrecht | AUT | 1:47,53 | +0,97 | 50,31 | 57,22 |
| 9. | Mitja Dragsic | SLO | 1:47,54 | +0,98 | 50,43 | 57,11 |
| 10. | Heinz Schilchegger | AUT | 1:47,56 | +1,00 | 50,87 | 56,69 |
| 11. | Drago Grubelnik | SLO | 1:47,59 | +1,03 | 50,55 | 57,04 |
| 12. | Martin Marinac | AUT | 1:47,64 | +1,08 | 51,54 | 56,10 |
| 13. | Silvan Zurbriggen | SUI | 1:47,82 | +1,26 | 50,67 | 57,15 |
| 14. | Ivica Kostelic | CRO | 1:47,83 | +1,27 | 49,62 | 58,21 |
| 15. | Thomas Grandi | CAN | 1:47,90 | +1,34 | 51,45 | 56,45 |
| 16. | Markus Larsson | SWE | 1:47,92 | +1,36 | 50,56 | 57,36 |
| 17. | Rene Mlekuz | SLO | 1:47,96 | +1,40 | 51,44 | 56,52 |
| 18. | Giorgio Rocca | ITA | 1:48,00 | +1,44 | 50,48 | 57,52 |
| 19. | Kjetil-Andre Aamodt | NOR | 1:48,03 | +1,47 | 50,78 | 57,25 |
| 20. | Kalle Palander | FIN | 1:48,06 | +1,50 | 49,86 | 58,20 |
| 21. | Florian Seer | AUT | 1:48,07 | +1,51 | 51,31 | 56,76 |
| . | Tom Rothrock | USA | 1:48,07 | +1,51 | 51,26 | 56,81 |
| 23. | Harald Strand-Nilsen | NOR | 1:48,21 | +1,65 | 51,41 | 56,80 |
| 24. | Tom Stiansen | NOR | 1:48,52 | +1,96 | 50,30 | 58,22 |
| 25. | Urs Imboden | SUI | 1:48,79 | +2,23 | 50,83 | 57,96 |
| 26. | Sebastien Amiez | FRA | 1:48,94 | +2,38 | 50,62 | 58,32 |
| 27. | Erik Schlopy | USA | 1:49,72 | +3,16 | 50,81 | 58,91 |
| 28. | Marco Casanova | SUI | 1:50,27 | +3,71 | 51,35 | 58,92 |
Ausgeschieden:
Im zweiten Lauf: Hans-Petter Buraas (NOR), Mitja Kunc (SLO)
Im ersten Lauf u.a.: Alain Baxter (GBR), Jure Kosir (SLO)
U.a. nicht für das Finale qualifiziert:
Michael Walchhofer (AUT/50.), Bode Miller (USA/60.)
