Sensationssiegerin Hosp vor US-Start bescheiden
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Aus dem Nichts zum Maßstab! Der Sieg von Sölden hat "Nobody" Nicole Hosp in den Mittelpunkt des ÖSV-Damenteams gerückt. Aber drei Wochen nach der Sensation auf dem Tiroler Gletschereis will die 19-jährige Tirolerin bei der Weltcup-Fortsetzung auf Kunstschnee in Park City von einem ähnlichen Exploit nichts wissen. "Ich bin froh, wenn ich in die ersten 20 komme", winkt die Tirolerin vor dem Riesentorlauf am Donnerstag ab.
Seit Dienstag ist Hosp am Olympia-Schauplatz, die sechsstündige Autofahrt vom Training in Colorado nach Utah hat Amerika-Neuling Nicole extrem gut gefallen. So wie sie selbst auf amerikanischen Kunstschnee eindrucksvoll ihren Co-Überraschungssieg in der Söldener Windlotterie eindrucksvoll bestätigt hat. Sieg im NorAm-RTL von Loveland, Fünfte und beste ÖSV-Läuferin im Slalom von Winter Park, beide Male bei Weltcup-Besetzung. "Für die anderen war das vielleicht eine Bestätigung. Ich selbst habe auch so immer gewusst, dass ich es drauf habe", gab sich die Bichlbacherin aber cool.
Was hat sich im Leben der Nicole Hosp verändert, seit sie in Sölden mit Startnummer 36 zum ersten Sieg im erst siebenten Weltcup-Rennen gestürmt ist? "Für die Teamkolleginnen bin ich im Training ein Maßstab geworden und jeder kennt mich jetzt eben", zieht sie ebenso unspektakulär Bilanz. Dass am Donnerstag in Park City viele Blicke auf ihr ruhen, stört sie auch nicht besonders. "Ich gehe in das Rennen wie in jedes andere, will einfach locker drauflos fahren. Denn sind die Erwartungen zu hoch, kann der Schuss auch nach hinten los gehen." Verschmitzte Nebenbemerkung: "Form und Selbstvertrauen stimmen, beides ist freilich noch ausbaubar!"
Ausbaubar ist auch das Allroundtalent Nicole Hosp selbst. Die Tirolerin kommt an sich von den schnellen Disziplinen, wird vorerst aber von ihren Trainern kurz gehalten, im Weltcup vorerst nur in Riesentorlauf und Slalom eingesetzt. Super-G-Starts wird es nur im Europacup geben, obwohl für Aamodt-Fan Hosp selbst der Gesamt-Weltcup nach wie vor das große (Fern-)Ziel ist.
"Es war immer mein Ziel, irgendwann die Beste zu sein. Davon bin ich aber trotz Sölden noch weit weg." Wann es so weit sein wird, "ist nicht planbar", so Hosp. "Ich weiß nur, dass ich für alle vier Disziplinen noch einigen Aufholbedarf habe." Als WM-Starterin sieht sie sich noch nicht, obwohl sie in der Abfahrt vermutlich noch stärker ist als Christine Sponring, und die holte ja bekanntlich in St. Anton sofort Kombi-Silber. Hosp: "Bis dahin kann noch zu viel passieren."
Doch wer sich wie Nicole Hosp im Training mit einer Weltcup-Gesamtsiegerin Michaela Dorfmeister um die Bestzeiten matcht, der gehört im Weltcup zu den Favoriten. "Vielleicht hatte ich in Sölden ja wirklich Rückenwind, aber man muss die günstigen Bedingungen erst einmal ausnutzen können", sieht sich die ehemalige Stams-Vorzugsschülerin ganz und gar nicht als Zufallssiegerin. ÖSV-Damenchef Herbert Mandl ist sich zwar nicht sicher, ob der schnelle Erfolg nur Vorteile, sprich den berühmten Knoten zum Platzen gebracht hat, Hosp selbst will es aber vorerst einmal so sehen. "Ein Sieg ist total wichtig für das Selbstvertrauen. Kannst du es einmal, kannst du es ein zweites Mal auch. Dann ist es nur noch eine Frage der Zeit."
Auf jeden Fall kann Hosp locker und gelöst in Riesentorlauf und Slalom von Park City gehen, "weil ich mit Sölden jetzt schon mehr erreicht habe als erwartet. Alles was jetzt kommt, ist Draufgabe." Weder sie selbst noch Mandl fürchten aber, dass sich deshalb der Schlendrian einschleicht. "Dafür bin ich einfach nicht der Typ", betont Hosp. Mandl: "Dass sie jetzt glaubt, es geht von allein, kann ich mir nicht vorstellen." Und selbst Riesentorlauf-Weltmeisterin Sonja Nef aus der Schweiz relativierte ihre Überzeugung, dass in Sölden einige junge Mädchen ihre Spitzenplätze nur dem Wind zu verdanken gehabt hätten, in einem Fall konkret. "Die Nicole gehörte da eher nicht dazu. Wenn sie gesund bleibt, hat sie eine ganz große Zukunft."
