Sonntag, 24. November 2002

Österreichs Rodler überraschten auf Olympia-Bahn

  • Kleinheinz verpasst ersten Weltcup-Sieg um 0,006 Sek.

Österreichs Kunstbahn-Rodler haben im Schatten der Ski-Stars für Aufsehen gesorgt und sich auf der olympischen Rodelbahn bei Park City überraschend als zweitbeste Rodelnation etabliert. Markus Kleinheinz und Co bewiesen damit beim Weltcup-Auftakt, dass auch in der Ära nach Markus Prock und den Neuner-Schwestern Erfolge möglich sind. Oder vielleicht sogar deshalb? "Viele haben gedacht, dass jetzt ein Riesenloch entsteht. Dabei standen unsere Jungen bisher nur im Schatten der Anderen", korrigierte Neo-Chefcoach Robert Manzenreiter das Bild.

Die Doppelsitzer Wolfgang und Andreas Linger hatten im Olympia-Park zunächst als Dritte überrascht, Sonja Manzenreiter verpasste bei den Damen als Vierte einen Podestplatz nur ganz knapp. Am Ende rodelte Kleinheinz um gerade sechs Tausendstel Sekunden am ersten Weltcup-Sieg vorbei. Der Tiroler, der die Rodel von Prock "geerbt" hatte, wurde Zweiter hinter Georg Hackl. "Es scheint, also ob diese Rodel den Platz hinter Hackl geerbt hätte", scherzte Manzenreiter. Die Party danach fiel bescheiden aus, ging es doch schon Montagfrüh weiter nach Calgary.

Sicher war im Herren-Einsitzer bei aufkommendem Schneefall etwas Glück dabei. "Aber früher hätten wir bei so einem Wetter gleich die Fahnen runter geholt. Jetzt ist die Einstellung der Athleten besser, alle sind im Kopf irgendwie frei", glaubt Manzenreiter, dass sich die Jungen von den großen Vorbildern gelöst haben. "Für mich ist es super gelaufen, denn ich habe meine Leistung gebracht. Dabei wusste ich vorher nicht, wo ich stehe und wollte eigentlich nur schauen, wo die anderen sind", sagte Kleinheinz.

Etwas, was auch Manzenreiter am Herzen lag. "Wir haben immer gewusst, dass das Loch hinter Prock und Neuner gar nicht so groß ist. Vielmehr haben wir uns gefragt, wie sich die Anderen weiter entwickelt haben. Ich bin froh, dass die auch nicht viel weiter gebracht haben." Und Kleinheinz unterstrich: "Wir selbst haben uns nie so unterschätzt. Wir sind zwei junge Rodler und beide schnell, weil wir uns schon im Training unglaublich pushen." Dass der Rücktritt von Prock auch Energien frei gesetzt habe, sei nicht abzustreiten. "Der Markus hat über Jahre dominiert, das ist vom mentalen her sicher schwierig. Jetzt sind wir alle etwas freier, fahren einfach drauf los."

Ergebnisse Kunstbahn-Weltcup Herren (46 am Start):
1.Georg HacklGER1:32,428 (46,118/46,310)
2.Markus KleinheinzAUT1:32,434 (46,114/46,320)
3.Albert DemtschenkoRUS1:32,447 (46,075/46,372)
4.Rainer MargreiterAUT1:32,467 (46,207,46,260)
weiter:
21.Martin AbentungAUT1:33,573 (46,862/46,711)
27.Anton HörhagerAUT1:34,100 (47,009/47,091)

24.11.2002 15:01