Der Sport meldet sich bei der Politik massiv zu Wort
- Acht-Punkte-Forderung präsentiert
- Auch Demonstrationen denkbar

Die gemeinsame Pressekonferenz der "Elefantenverbände" ÖSV und ÖFB am 6. November in Wien, in der die politischen Parteien aufgefordert wurden, ihr Verhältnis zum Sport zu deklarieren und dessen Interessen in einer künftigen Regierung besser zu verankern, hat bei aktiven und ehemaligen Sportlern, Funktionären usw. ein Riesenecho ausgelöst. Bei Harry Dittert, dem Koordinator der Sportleraktion, trafen und treffen zahlreiche Faxe (Tenor: "Gott sei Dank, endlich erhebt sich jemand") ein, in denen ein eigenes Sportministerium, zumindest aber ein Staatssekretariat und die finanzielle Gleichstellung mit der Kultur gefordert werden.
Im Rahmen einer weiteren Pressekonferenz am Freitag (also zwei Tage vor der Nationalratswahl) im Wiener Hotel Marriott präsentierten die Initiatoren mit Peter Schröcksnadel (ÖSV), Alfred Ludwig (ÖFB) und Peter Kleinmann (ÖVV) im Namen aller Verbände ihren Forderungskatalog, der acht Punkte umfasst.
Die Forderungen
1. Eigenes Sport-Ministerium (möglichst mit Sitz im Kanzleramt)
2. Gleichstellung mit der Kultur - Aufwertung des Sports (Ludwig: "Nicht als Gegensatz zur Kultur, der Sport muss aber genauso fair behandelt werden"). Sportler sind Leitfiguren der Jugend und Werbeträger der Republik Österreich.
3. Sport und Schule (mens sana in corpore sano). Tägliche Sportstunde in der Volksschule mit Turn- bzw. Sportlehrern zur richtigen Bewegungsschulung. Gerade im Schulbereich wird der Sport - von Ausnahmen abgesehen - oft recht stiefmütterlich behandelt. Eine Episode, wie sie Schröcksnadel aus einer Schulzeit erzählte, hat heute noch vielfach Gültigkeit. "Wenn ich am Wochenende erfolgreich bei regionalen Skirennen war und das dann in der Zeitung stand, holte mich der Lehrer am Montag an die Tafel, und da hast an Fünfer kriegt."
4. Sport und Gesundheit - Sport als Prävention. Je sportlicher, desto gesünder die Bevölkerung. Sport als Präventivmittel spart dem Staat pro Jahr an die 565 Millionen Euro.
5. Großveranstaltungen. Olympische Spiele, Welt- und Europameisterschaften, Weltcupveranstaltungen sind in sich ein eigener Wirtschaftsfaktor. Sie sichern Deviseneinnahmen und Arbeit für die Wirtschaft.
6. Sport als Wirtschaftsfaktor. Die Wertschöpfung aus Sport und Sportveranstaltungen pro Jahr beträgt 5,6 Milliarden Euro. Dazu kommen Umsätze, Erträge und Deviseneinnahmen aus der Sportartikelindustrie. Skisport ist die Voraussetzung für den Wintertourismus und bildet die Grundlage für die Investitionen in Skigebieten.
7. Sport und Tourismus. Die Einnahmen aus dem Tourismus in Österreich betragen 24,9 Milliarden Euro (12,2 davon im Winter/95 Prozent davon von Skifahrern). Mit rund 500.000 Arbeitnehmern zählt der Tourismus zu einem der größten Arbeitgeber in Österreich. Der aktuelle Nachfragerückgang beim Winterurlaub (29 Prozent) wird auch auf die fehlenden Schulskikurse zurückgeführt.
8. Sport und Exekutive (Ausbildungsplätze für Sportler bei Polizei/Gendarmerie, Bundesheer usw.). Bei den Kosten für Gendarmerie und Bundesheer bei Großereignissen sollte eine Unterstützung durch die Regierung erfolgen. ~
Spitzensportler unterschrieben Initiative
Mit Franz Klammer, Trixi Schuba, Roman Hagara, Markus Prock, Karin Mayr, Raphael Hartl, Roland Königshofer, Michael Ludwig, Anja Richter, Marion Reiff usw. waren auch etliche frühere und aktuelle österreichische Spitzensportler zur Unterstützung der Aktion in der Champions Bar erschienen, viele andere wie u.a. Niki Lauda, Karl Schranz, Toni Innauer, Patrick Ortlieb, Peter Seisenbacher, Hans Krankl, Michael Hadschieff, Emese Hunyady usw. haben für die Initiative unterschrieben.
"Alle an einem Strang ziehen"
Dem Skiverband und dem ÖFB gehe es gut, meinte Schröcksnadel dennoch habe man sich im Interesse der anderen und eigentlich aller an die Spitze der Initiative gesetzt, wolle sie gemeinsam mit der Bundessport-Organisation (BSO) weiter verfolgen. "Die Initiative ist eine Bringschuld von uns", sagte der ÖSV-Präsident, der wie Ludwig, Kleinmann ("auch die Medien müssen mitmachen") und alle anderen an "einem Strang ziehen will", damit die Initialzündung "weiter geht und nicht versickert" (Alfred Ludwig). Aus Einzelkämpfern soll ein Schneeballeffekt werden.
Auch Demonstrationen möglich
"Der Sport wird sich in Zukunft sehr stark zu Wort melden, unter Umständen auch mit Demonstrationen", betont Schröcksnadel. Bisher hätten sich immer wieder bei anderen Verbänden Sportler nicht wegen, sondern trotz der Strukturen durchgesetzt, nun sollen auch diese mit dem Niveau dieser Aktiven Schritt halten. "Wir werden Gas geben und wollen in der Gesellschaft und Politik gehört werden wie alle anderen auch", meinte Alfred Ludwig. Immerhin betreiben drei Millionen Menschen Sport, in den vergangenen zwei Jahren stieg die Anzahl um vier auf 61 Prozent.
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