Freitag, 22. November 2002

Laut Ex-Trainer Kyrö dopte Norwegen wie die DDR

Der Skilanglauf steht nach Berichten über angebliche norwegische Doping-Praktiken in den 90er Jahren offenbar vor einer neuen Welle mit heftigen gegenseitigen Anschuldigungen. So reagierte der selbst vor knapp zwei Jahren als Dopingsünder ertappte finnische Ex-Trainer Kari-Pekka Kyrö (Bild) am Freitag auf eine Reportage des Osloer Senders TV2 mit dem Satz: "Norwegen hat das wie die DDR gemacht."

Der Sender hatte Mitte der Woche behauptet, dass bei den für Norwegen besonders erfolgreich verlaufenen Olympischen Winterspielen in Lillehammer systematisch verbotene Mittel wie anabole Steroide sowie das als äußerst gefährlich geltende Ausdauermittel HES eingesetzt worden seien. Die vielfachen Olympiasieger Björn Dählie und Vegard Ulvang wiesen die Behauptungen ebenso scharf zurück wie der frühere Eisschnellläufer Johann Olav Koss.

"Waren nicht die Einzigen"
Der wie Kyrö nach der WM in Lahti wegen Dopings gesperrte finnische Läufer Jari Isometsä erklärte zu den in Norwegen äußerst skeptisch aufgenommenen Enthüllungen im Fernsehen: "Sie zeigen doch, dass wir nicht als Einzige betrogen haben."

Auch Myllyllä gleicher Meinung
Ähnliche Kommentare hatten Isometsä und Kyrö zusammen mit ihren ebenfalls des Dopings überführten Mannschaftskollegen Mika Myllyllä und Harri Kirvesniemi auch öffentlich abgegeben, als der für Spanien startende Deutsche Johann Mühlegg im Mittelpunkt des größten Doping-Skandals bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City ausgelöst hatte.

Doping ist Topthema in Norwegen
In Norwegen selbst war die Doping-Reportage das auch alle politischen Fragen überschattende Topthema. Übereinstimmend schrieben alle Kommentatoren, dass die Beweisführung in der TV2-Reportage äußerst dünn und auch fehlerhaft gewesen sei. Dennoch gilt als sicher, dass die Frage nunmehr endlich auch breit und öffentlich ausgetragen wird, ob die in den neunziger Jahren weltweit total dominierenden Langläufer aus Norwegen ihre Erfolge Doping zu verdanken haben.

22.11.2002 13:35