Sonntag, 24. November 2002

Ex-Putschist Gutierrez gewinnt Präsidentschaftswahl

  • Linksgerichter General kommt auf rund 54% der Stimmen
  • Wirbt um Vertrauen der Wirtschaft

Knapp drei Jahre nach seinem Putsch gegen den damaligen ecuadorianischen Präsidenten Jamil Mahuad ist der linksgerichtete Politiker Lucio Gutierrez zum neuen Staatschef seines Landes gewählt worden. Der von Gewerkschaften und Indios unterstützte Gutierrez gewann am Sonntag die zweite Runde der Präsidentenwahl mit 54,3 Prozent der Stimmen. Der konservative Milliardär, der Bananen-Händler Alvaro Noboa, kam auf 45,7 Prozent.

Nach seinem Wahlsieg warb der 45-jährige Gutierrez um das Vertrauen der Wirtschaft und internationaler Investoren. Er werde sehr tolerant sein und die Menschenrechte ebenso respektieren wie das Recht auf Eigentum, sagte er im ecuadorianischen Fernsehen. Allerdings unterstützt Gutierrez die Politik des autokratisch regierenden Präsidenten von Venezuela, Hugo Chavez. Wie dieser führte auch Oberst Gutierrez einen Putsch an - Anfang 2000 endeten die Erhebung von Teilen der Streitkräfte und Proteste der indianischen Bevölkerung mit dem Sturz von Präsident Mahuad. Gutierrez wurde damals aus der Armee entlassen und verbrachte sechs Monate in einem Militärgefängnis.

Kämpfer gegen Korruption
Im Wahlkampf präsentierte sich Gutierrez als Vorkämpfer gegen die Korruption und bezeichnete sich als Mitte-links-Kandidaten. Bei der Stimmabgabe in der Hauptstadt Quito warf er seinem Rivalen Noboa vor, Wahlhelfer in drei Provinzen bestochen zu haben, um sich den Sieg zu sichern. Internationale Wahlbeobachter erklärten jedoch, sie hätten keine Unregelmäßigkeiten beobachtet.

Noboa hatte im Wahlkampf versprochen, Millionen Dollar an Auslandsinvestitionen nach Ecuador zu holen und so neue Arbeitsplätze zu schaffen. Der 52-Jährige leitet eine Firmengruppe mit 110 Unternehmen, deren Kerngeschäft im Bananenhandel und in der Schifffahrt liegt.

USA zufrieden
Die USA gratulierten Ecuador zu einer "offenbar freien, fairen und transparenten Wahl". "Wir sind zufrieden damit, in Ecuador eine funktionierende Demokratie zu sehen", sagte eine Sprecherin des Washingtoner Außenministeriums, Anne Marks.

In der ersten Runde der Präsidentenwahl war Gutierrez am 24. Oktober auf 20,4 Prozent gekommen. Auf Noboa entfielen dmals 17,4 Prozent. Wahlberechtigt waren am Sonntag 8,1 Millionen Ecuadorianer. Der Andenstaat mit zwölf Millionen Einwohnern hat seit 1996 schon fünf Präsidenten gehabt.

24.11.2002 07:53