Miss-Wahl-Story: Mord an Journalistin befohlen, sie floh
- Nigerias Bundesregierung: Urteil 'null & nichtig'
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Religiöse Unruhen
in Nigeria
220 Tote und Chaos in Nigeria, Aufruf zum Mord an einer Journalistin! Aus Angst um das Leben der Beautys wurde die Miss-World-Wahl nach London verlegt - das entschieden Verantwortliche, die die Kür ja am 7. Dezember in Nigeria abhalten wollte. Doch die Lage beruhigt sich nicht! Die Regierung des Bundesstaates Zamfara rief zur Ermordung von Isioma Daniel auf. Die Christin hatte durch ihren Artikel über die umstrittene Miss-Wahl ("Würde Mohammed heute leben, er würde eine der Missen heiraten") blutige Zusammenstöße zwischen Moslems und Christen ausgelöst. Die Regierung des streng islamisch regierten Bundesstaates verlangt die Vollstreckung einer "Fatwa", der zufolge die Journalistin wegen Gotteslästerung den Tod verdient hat.
Vizegouverneur Mamuda Aliyu Shinkafi: "Wie das Blut von Salman Rushdie, darf auch das von Isioma Daniel vergossen werden." Das Urteil habe nicht sein Staat, sondern der heilige Koran gesprochen: "Alle Moslems, wo auch immer sie sich befinden, müssen die Tötung der Journalistin als ihre Pflicht ansehen."
Daniel - sie lebt im nördlichen Staat Kaduna - floh nach Angaben ihres bisherigen Arbeitgebers, der Tageszeitung "This Day", außer Landes.
Nigeria-Regierung: Fatwa-Mordbefehl ist null und nichtig!
Nigerias Regierung hat dem von Moslems erlassenen Todesurteil gegen eine Journalistin widersprochen. Informationsminister Gana erklärte das islamische Urteil, die Fatwa, im staatlichen Rundfunk "für null und nichtig". Er versprach, es werde nicht ausgeführt.
Missen-Story löste Tod und Chaos aus
Der Kommentar war Mitte November in der Zeitung "This Day" erschienen und hatte am vergangenen Freitag blutige Unruhen ausgelöst. In dem Kommentar hieß es, wenn Prophet Mohammed heute leben würde, hätte er eine der Bewerberinnen geheiratet. Die Zeitung hatte den Artikel nachträglich zurückgezogen und sich in zwei Ausgaben auf der ersten Seite bei moslemischen Lesern entschuldigt.
Moselm-Gremien "prüfen" Fatwa-Urteil
Der Aufruf der Regionalregierung stieß bei einflussreichen moslemischen Gremien auf Vorbehalte. Der Generalsekretär des Obersten Rates für Islamische Angelegenheiten, Lateef Adegbite, verwies darauf, dass die Journalistin eine Christin sei, dass sie nicht in Zamfara lebe und arbeite und dass sich die Zeitung mehrfach entschuldigt habe. Der Rat werde die "Fatwa" zunächst prüfen.
Was ist eine "Fatwa"?
Sie ist ein juristisches Gutachten eines moslemischen Gelehrten auf Grundlage der Scharia, des islamischen Rechts. Sein Inhalt ist nicht bindend, Vertreter anderer Rechtsschulen können bei gleichen Sachverhalten zu anderen Ergebnissen kommen. Die nigerianische Zentralregierung erkennt die Einführung der Scharia in Zamfara und zehn weiteren nordnigerianischen Bundesstaaten nicht an.
1989 hatte der iranische Revolutionsführer in einer Aufsehen erregenden "Fatwa" zur Ermordung des Schriftstellers Salman Rushdie aufgerufen. Auch er soll Mohammed beleidigt haben.
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