Donnerstag, 21. November 2002

Triebwerks-Fehler verursachte Eurofighter-Absturz

  • Antrieb gehörte älterem Entwicklungsstandard an
  • Untersuchungskommission für Wiederaufnahme des Flugbetriebs

Die Ursache für den Eurofighter-Absturz im November in Spanien ist geklärt. Verantwortlich ist ein Fehler in den Triebwerken, die einem früheren Entwicklungsstand angehören, teilte der deutsche Eurofighter-Partner EADS mit. Von den bisher zehn fertig gestellten Maschine verfüge nur noch eine weitere über einen Antrieb dieses Typs, hieß es. Der seit dem Unglück eingestellte Flugbetrieb solle nun wieder aufgenommen werden. Auf den Eurofighter "Typhoon" ist auch die Typenentscheidung für die geplante Abfangjäger-Nachbeschaffung in Österreich gefallen.

Der Unfall hatte sich am 21. November in der Region Toledo rund 70 Kilometer südwestlich von Madrid ereignet. In rund 15.000 Metern Höhe waren bei dem Prototyp mit der Seriennummer DA6 beide Triebwerke ausgefallen und konnten von der Besatzung nicht wieder gestartet werden. Die zwei Piloten retteten sich schließlich mit dem Schleudersitz.

Eine staatliche Untersuchungskommission hat laut EADS nun "mit deutlicher Beweiskraft" die Unfall-Ursache festgestellt. Über die fraglichen Triebwerke verfüge neben der verunglückten Maschine nur ein weiterer Jet, diese Triebwerke sollen nun ausgetauscht werden. Die anderen Flugzeuge seien bereits mit Antrieben der Folge-Standards ausgestattet, die von dem Fehler nicht betroffen seien. Die Kommission hat laut EADS zudem empfohlen, den Flugbetrieb "nach Freigabe durch die jeweiligen nationalen Flugsicherheitsbehörden und entsprechend deren Bestimmungen" schnellstmöglich wieder aufzunehmen.

Bisher zehn Maschinen fertig gestellt
Der Eurofighter "Typhoon" ist ein deutsch-britisch-italienisch-spanisches Projekt. Von Firmen aus den vier Staaten gemeinsam entwickelt und gefertigt wird auch das Triebwerk EJ 200. Bisher wurden insgesamt zehn Maschinen - davon sieben Prototypen - fertig gestellt. In Deutschland wurde diese Woche zudem das erste Flugzeug, das für die Auslieferung an die Luftwaffe vorgesehen ist, vorgestellt. Die vier Partnernationen haben im Jänner 1998 einen Rahmenvertrag für die Fertigung von 620 Flugzeugen sowie einer Option für 90 weitere Maschinen unterzeichnet. Die erste, fix finanzierte Tranche umfasst 148 Stück.

Das Hersteller-Konsortium versucht seine Maschine aber auch in anderen Ländern zu verkaufen. In Österreich ist die Typenentscheidung für die geplante Abfangjäger-Nachbeschaffung im Juli vorerst auf den "Typhoon" gefallen. Nach dem Scheitern der schwarz-blauen Koalition und den vorgezogenen Wahlen ist eine definitive Entscheidung aber aufgeschoben. Ein Abgehen von der Typenentscheidung ist nicht ausgeschlossen. Das Eurofighter-Konsortium hat die Frist für sein Angebot dem Vernehmen nach jedenfalls vorerst bis Ende Jänner 2003 erstreckt.

EADS weiter Zuversichtlich zu Verkauf an Österreich
Beim deutschen Eurofighter-Partner EADS, der für das Geschäft mit Österreich zuständig wäre, ist derzeit Abwarten angesagt. Man bemüht sich lediglich, Berichte über angebliche Rückschläge für das Projekt zu dementieren. So habe der deutsche Verteidigungsminister Peter Struck erst in der Vorwoche klar gestellt, dass die deutsche Luftwaffe wie geplant 180 Stück anschaffen werde. Sparen wollen die Deutschen freilich bei der Bewaffnung. Auch Griechenland sei weiter mit an Bord. Dort ist eine Grundsatzentscheidung für den Eurofighter gefallen, die Regierung hat die Bestellung allerdings auf die Zeit nach 2004 verschoben.

21.11.2002 15:01