Mittwoch, 20. November 2002

Verschärfte Sicherheitsmaßnahmen bei NATO-Gipfel

  • Hunderten Ausländern wurde Einreise verwehrt
  • Kongress-Palast von 12.000 Polizisten abgesperrt

Die tschechische Grenzpolizei hat auf Grund der verschärften Sicherheitsmaßnahmen im Zusammenhang mit dem NATO-Gipfeltreffen in Prag schon über 200 ausländischen Personen die Einreise nach Tschechien verwehrt. In den meisten Fällen handelte es sich um Deutsche, Polen, Österreicher, Briten und Slowaken. Die Grenzbeamten fanden bei ihnen Gegenstände und eine Ausstattung, die auf die Zugehörigkeit dieser Personen zu verschiedenen radikalen und militanten Bewegungen deutete, die im Laufe des NATO-Treffens gewaltige Protestaktionen auslösen könnten, berichteten die tschechischen Medien am heutigen Mittwoch.

Einen kuriosen Fund machten die Grenzpolizisten am gestrigen Dienstag bei einer Gruppe am tschechisch-deutschen Grenzübergang Rozvadov/Roßhaupt - Flaschen mit künstlichem Blut. Nach Angaben einer Polizeisprecherin sollte dieser Stoff zur Diskreditierung der Ordnungskräfte in Prag dienen, indem sich die Demonstranten absichtlich mit der Flüssigkeit beflecken würden. Darüber hinaus habe man bei Personen, denen die Einreise nicht erlaubt wurde, Schutzschilder, Baseball-Schläger und in einem Fall sogar eine Axt gefunden. Den größten Andrang ausländischer Demonstranten an den Grenzen erwartet die tschechische Polizei jedoch in der Nacht auf morgigen Donnerstag.

Mit der Einreise der Teilnehmer des Gipfeltreffens - US-Präsident George W. Bush kam schon Dienstag Abend in Prag an - werden in der Moldaumetropole die Verkehrs- sowie andere Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Ab heutigem Mittwochmorgen ist beispielsweise der Verkehr auf einer der wichtigsten Verbindungen - auf der Süd-Nord-Magistrale auf der Brücke "Nuselsky most" - gesperrt. Dieser Ort, der direkt am Kongress-Palast vorbei führt, wird als einer der kritischen Punkte betrachtet und ist wie umliegende Straßen total abgesperrt. Vor zwei Jahren anlässlich der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank war es gerade bei dieser Brücke zu schweren Zusammenstößen der Demonstranten mit der Polizei gekommen.

Darüber hinaus dürfen alle Züge in Prag und Umgebung nur mit einer Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde fahren, nachdem am Dienstag auf einer Eisenbahnstrecke am östlichen Stadtrand eine Sprengstoff-Packung gefunden und entschärft wurde. In den zentralen Teilen Prags ist verstärkte Polizeipräsenz zu beobachten, die Prager Krankenhäuser sind in höchster Alarmbereitschaft für den Fall, dass es zu den befürchteten gewaltigen Protesten doch kommt. Um eventuelle terroristische Attacken aus der Luft zu verhindern, befindet sich seit einigen Tagen die tschechische Luftwaffe in höchster Alarmstufe, wobei sie auch von amerikanischen Jagdflugzeugen F-16 verstärkt wird.

Mehrere Geldinstitut-Filialen, Geschäfte und Schnellimbisslokale - vor allem McDonalds - in zentralen Teilen Prags haben unterdessen geschlossen und die Schaufenster mit Holzplatten bedeckt. Auf den bekanntesten Orten der Hauptstadt - Wenzelsplatz, Altstädter Ring und anderen - werden schon ab Mittwoch Demonstrationen erwartet. Die Polizeidirektion stellte insgesamt 12.000 Angehörige der Ordnungskräfte zusammen, wobei man auch Verstärkungen aus den Regionen berufen musste. Bewohnern sowie Besuchern Prags wird abgeraten, in die zentralen Teile der Stadt zu gehen. "Wer nicht unbedingt nach Prag fahren muss, soll es lieber umfahren oder zu Hause bleiben", riet der tschechische Polizeipräsident Karel Kolar.

20.11.2002 09:22