Freitag, 22. November 2002

HEUTE: 5,9 Millionen Österreicher wählen

  • Spannendste Wahl der 2. Republik: 5,912.490 Wähler
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In den ersten Gemeinden ist der Wahltag bereits gelaufen! In zwei Klein-Ortschaften in Tirol und Vorarlberg liegt die Stimmen-Verteilung bereits vor. Ergebnis - gibt´s erst ab 17 Uhr. Auch die Spitzenpolitiker haben ihren Urnengang absolviert - wobei es bei der Kanzler-Stimmabgabe zu Tumulten kam. Schüssel fühlte sich vom Fotografen-Heer zu sehr bedrängt. 5,912.490 Wähler könnten heute bei den spannendsten Wahlen in der Zweiten Republik die Polit-Landschaft dramatisch verändern! Der Wahl-Sonntag LIVE auf NEWS Networld!

Wahlberechtigt sind für diese Wahl 5,912.490 Österreicher. Es handelt sich um vorgezogene Neuwahlen, nachdem die schwarz-blaue Koalition nach zweieinhalb Jahren geplatzt ist.

Sechs Parteien bundesweit
Der Wahl stellen sich bundesweit sechs Parteien: Neben den vier Parlamentsparteien SPÖ, FPÖ, ÖVP und Grünen auch die KPÖ und das LIF. SPÖ und ÖVP können laut den Umfragen hoffen, gegenüber 1999 deutlich zuzulegen; beiden Parteien werden Chancen auf den ersten Platz eingeräumt. Die SPÖ war 1999 mit 33,2 Prozent und 65 Mandaten auf ihren historischen Tiefststand gefallen. Ebenso die ÖVP, die mit 26,9 Prozent und 52 Mandaten knapp hinter der FPÖ auf Platz 3 landete.

Für die FPÖ waren die 26,9 Prozent und 52 Mandate der vorigen Wahl ihr bisheriger Rekord. Sie muss nach ihrer schweren Parteikrise mit deutlichen Einbußen rechnen. Den Grünen sollte es laut den Umfragen hingegen gelingen, ihren 1999 erreichten Höchststand von 7,4 Prozent bzw. 14 Mandaten noch zu verbessern; sie haben sogar Chancen auf den dritten Platz vor der FPÖ. Den Einzug anderer Parteien in den Nationalrat halten die Meinungsforscher für unwahrscheinlich.

Die Parteien buhlten bis zur letzten Sekunde um Stimmen
SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer beendete seine "Von Mensch zu Mensch-Tour" am Samstag in Wien. Die ÖVP kürte bei einer großen Wahlveranstaltung in der Vösendorfer Shopping City die Sieger ihres "Abfertigung neu Gewinnspieles". Beim Kärntner Wahlkampfabschluss traten noch einmal Spitzenkandidat Herbert Haupt und LH Jörg Haider auf. Das Grüne Spitzenteam kam von seiner abschließenden Landeshauptstädte-Tour zwei Minuten vor Mitternacht nach Wien zurück.

SPÖ: "Es geht um Neuanfang"
Viktor Adler-Markt, Naschmarkt und das Spielefest im Vienna Austria Center in Wien waren am Samstag noch Stationen von Gusenbauers Tour. "Es geht um den Neuanfang für Österreich", bekräftigte der SPÖ-Spitzenkandidat im Arbeiterbezirk Favoriten die Hauptbotschaft der letzten Wahlkampftage. Große Reden schwang er nicht mehr: "Ich bin nur gekommen, um Sie zu besuchen und etwas zu plaudern", sagte er den - trotz leichten Regens durchaus freundlich gesonnenen und zahlreich erschienenen - Interessierten.

ÖVP: Fortsetzung des "bewährten Kurses"
Alles andere als den "Neuanfang" will die ÖVP: "Bleiben wir auf dem bewährten Kurs", das ÖVP-Team - verstärkt mit Finanzminister Karl-Heinz Grasser - stehe dafür, "dass der vernünftige und verlässliche Kurs für Österreich fortgesetzt wird", war die Haupt-Botschaft von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und dem niederösterreichischen LH Erwin Pröll in der Shopping City. Die ÖVP verteilte dort auch große "Geschenke": Ein Pkw, ein Laptop und eine Woche Sonnenurlaub waren die Preise im "Abfertigung neu Gewinnspiel". Prölls Hoffnung für den Wahltag: Es möge ein "schwarzer Sonntag" werden.

FPÖ: 15 Prozent erhofft
Zuversicht demonstrierte FPÖ-Spitzenkandidat Herbert Haupt beim Kärntner Wahlkampfabschluss in Klagenfurt. Er bekräftigte, dass er mit über 15 Prozent Stimmenanteil rechne. "Wenn wir das erreichen, können wir wieder mitbestimmen." Stark an die Oppositionszeiten der FPÖ erinnerte Haider mit seinem Sager "Wir sind den Mächtigen zu unbequem. Ihr aber müsst uns auf diesem Weg weiter unterstützen." Generalsekretär Karl Schweitzer zeigte sich in einer Aussendung zufrieden mit der Endphase des Wahlkampfes. Trotz anfänglicher Querelen und dem Ausfall des Spitzenkandidaten habe die FPÖ ein "starkes Finish" geboten.

Grüne: Wahlkampf bis 23.58 Uhr
Die Grünen Eva Glawischnig und Karl Öllinger sind schon am Freitag zu einer abschließenden Wahlkampf-Rundfahrt durch alle Landeshauptstädte aufgebrochen. Nicht dabei war Spitzenkandidat Alexander Van der Bellen, der, nachdem ihm ein Zahn gezogen wurde, immer noch an starken Schmerzen litt. Glawischnig berichtete - am Weg von Innsbruck nach Wien - erstaunt über das auch am Tag vor der Wahl noch so große Interesse an den Wahlkampfveranstaltungen. "Ich habe noch überhaupt nicht das Gefühl, dass der Wahlkampf schon aus ist", meinte sie. Beendet war der Wahlkampf für die Grünen, als sie um 23.58 Uhr mit dem Zug aus St. Pölten in Wien ankamen.

Die Kleinparteien
Mit geringeren Mitteln bemühten sich auch die Kleinparteien bis zuletzt, noch Wähler zu gewinnen. So unternahmen die "Demokraten" Rudolf Fußis in der Nacht in Wien eine "Beisltour". In Szene-Lokalen und am Heldenplatz trafen sie dabei auf die von mehreren Organisationen wie PublicNetbase gemeinsam veranstaltete Aktion "Tanzen bis zum Ende der Wende".

Arbeit rund um die Uhr im Innenministerium
Keine Nachtruhe gab es auch im Innenministerium. Samstag wurden noch letzte Vorbereitungen getroffen, die Wahl-EDV noch ein Mal überprüft und alles für den großen Auftritt des Innenministers vorbereitet, der heute um ca. 19.30 Uhr das Wahlergebnis bekannt geben wird.

22.11.2002 20:26