Mittwoch, 20. November 2002

'Elefantenrunde'-Rekord: 1,8 Mio. Österreicher sahen zu

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Einen absoluten Zuseher-Rekord gab es beim großen TV-Duell der vier Parlaments-Spitzenkandidaten: Durchschnittlich sahen 1,84 Mio. Menschen zu! Bei der "Elefantenrunde" vor der Wahl 1999 verfolgten 1,406 Mio. Österreicher die Diskussion. Wer hat bei der Elefantenrunde gepunktet? Die letzte TV-Konfrontation der Spitzenkandidaten von SPÖ, FPÖ, ÖVP und Grünen war von harten Debatten zu wichtigen Themen geprägt.

Keine neuen Festlegungen für die Zeit nach der Wahl brachte die ORF-"Elefantenrunde" der Spitzenkandidaten der vier Parlamentsparteien am Donnerstagabend. Zu den Sachfragen wie Budget und Schulden, Pensionssicherung oder Abfangjäger deponierten die Parteichefs von SPÖ, FPÖ, ÖVP und Grünen die bekannten Positionen. Die Debatte verlief relativ sachlich, ohne große Konfrontationen oder gegenseitige Angriffe. Die unabhängigen Meinungsforscher sahen keinen eindeutigen Sieger, jeder habe das eigene Lager bedient.

Thema Koalitionsspielchen
Fragen nach Koalitionsvorhaben oder Plänen, sollten sie am Sonntag Zweite werden, wichen die um den ersten Platz ritternden Spitzenkandidaten von SPÖ und ÖVP, Alfred Gusenbauer und Wolfgang Schüssel, beharrlich aus. Er trete nicht an, um Zweiter zu werden, "ich will Gold", bekräftigte Schüssel. Auch Gusenbauer betonte das Ziel, Stärkster zu werden. Seine frühere Festlegung, als Zweiter in Opposition zu gehen, wollte er nicht wiederholen. "Es wird uns nichts anderes übrig bleiben .... Wir wissen, dass, wenn Schwarz und Blau die Mehrheit haben, sie weitermachen", erklärte er nur.

Thema Schwarz-Blau
Ebenso wenig Klarheit war in Sachen Fortsetzung von Schwarz-Blau zu gewinnen: Angesprochen auf die Attacken Jörg Haiders gegen ihn meinte Schüssel: Diese würden sich von selbst richten - und "wir grenzen niemanden aus". Zur Frage, ob ein - jetzt auf einem ÖVP-Ticket antretender - Finanzminister Karl-Heinz Grasser eine Koalitionsbedingung wäre, meinte er nur, er werde mit diesem Vorschlag in die Verhandlungen gehen. Haupt deponierte immerhin, dass Grasser sein Vertrauen nicht mehr habe - blieb aber kryptisch, als es darum ging, ob damit Schwarz-Blau hinfällig wäre: "Es kann Grasser passieren, dass er im Film 'Kevin allein zu Haus' die Hauptrolle spielt."

Thema Rot-blauer Geheimplan
Moderator Elmar Oberhauser, der immer wieder versuchte, mit präzisen Nachfragen klare Antworten zu erreichen, zeigte schließlich eine gewisse Resignation: "Tut mir leid, meine Damen und Herren zu Hause, ich bemühe mich redlich." Immerhin konnte er ein klares Dementi Gusenbauers und Haupts in der Frage erreichen, ob es einen Geheimplan gibt, wonach die FPÖ eine SPÖ-Minderheitsregierung unterstützen würde, um einen Kanzler Schüssel zu verhindern.

Thema Rot-Grün
Und mehr Glück hatte Oberhauser auch beim Grünen-Chef Alexander Van der Bellen. Der antwortete auf die Frage, wie weit er gehen würde, um Rot-Grün zu erreichen, klar: "Nicht sehr weit" - und widersprach dem Vorwurf, die Grünen würden um Rot-Grün "betteln". Er verwies darauf, dass die Neuauflage der großen Koalition immer wahrscheinlicher werde. Bei der sich abzeichnenden Drei-Viertel-Mehrheit für SPÖ und ÖVP brauche man "erst recht eine starke grüne Opposition", appellierte er an "taktische Wähler".

Thema Budgetpolitik
In der Sachdebatte bekannten sich alle vier Spitzenkandidaten zu einem über einen Konjunkturzyklus ausgeglichenen Budget. In der Wirtschaftspolitik kam es zu einem Schlagabtausch zwischen Gusenbauer und Schüssel: Der SP-Chef warf dem Kanzler vor, nichts gegen die schlechte Konjunktur zu tun. Schüssel konterte: Der SPÖ-Kurs würde zu mehr Schulden führen. Gusenbauer und Haupt bekräftigten die Forderung nach einer Steuerreform 2003 zur Entlastung der kleinen Einkommen. Van der Bellen kritisierte die Ankündigung einer Steuerreform 2005 durch Schüssel und Grasser: Es sei "ein Witz", den Leuten das Geld zuerst "aus der Tasche zu ziehen, um es ihnen wieder zurückzugeben".

20.11.2002 16:53