Montag, 18. November 2002

ÖVP-Anzeigenkampagne verspottet Rot-Grün in Berlin

  • Frostige Beziehung zu Wien - Spott für Schüssel

Schwere Verstimmung zwischen Wien und Berlin: Bundeskanzler Schüssel zog im Wahlkampf Vergleiche mit der rot-grünen Regierung in Deutschland - malte das Schreckgespenst eines wirtschaftlichen Chaos an die Wand - und zog sich damit den Unmut von Kanzler Schröder zu. Besonders sauer stößt dem SPD-Chef die "Schmähkampagne" der ÖVP auf. Eine Beziehungseiszeit zwischen Deutschland und Österreich droht.

Setzt Bundeskanzler Schüssel für seinen Wahl-Sieg die guten Beziehungen mit Berlin aufs Spiel? Eine Anzeigenkampagne, die Vergleiche einer möglichen rot-grünen Koalition hierzulande mit der Regierungsbilanz in Berlin zieht, wird in der deutschen Bundeshauptstadt als Spott und Häme aufgefasst.

In der "Schmähkampagne" listet die ÖVP die vermeintlichen Verfehlungen von Schröder, Fischer und Co. auf und zeichnet ein Szenario von Massenarbeitslosigkeit, wirtschaftlichem Niedergang und Horror-Steuern für die Bürger.

Schröder schlägt SPÖ-Einladung aus
Kanzler Schröder hatte bereits vergangene Woche eine Einladung von SPÖ-Chef Gusenbauer ausgeschlagen. Der Grund: die "undifferenzierte" Wahlkampagne in Österreich. Wörtlich heißt es auf der SPD-Homepage: "Der SPD-Parteivorsitzende hat zur Kenntnis genommen, dass sein Besuch Eurer Abschlusskundgebung zum Anlass einer undifferenzierten Wahlkampagne in Österreich benutzt wird. Er hat deshalb entschieden, auf eine Teilnahme zu verzichten". Schröder wünscht Gusenbauer "einen großen Wahlerfolg und freut sich auf die weitere Zusammenarbeit mit der SPÖ".

Frostige Beziehung zu Wien und Spott für Schüssel
Die rote Parteiführung in Deutschland ist jedenfalls entsetzt - die Beziehung zu Wien ist merklich abgekühlt - geradezu frostig. SPD-Fraktionsvize Gernot Erler findet klare Worte für die Schüssel'sche Anti-SPD-Kampagne: "Die Spott-Anzeige gegen Gerhard Schröder entsprechen sicher nicht dem Umgang, den man zwischen befreundeten Nationen pflegen sollte!" Bayerns SPD-Chef Wolfgang Hoderlein spricht von einem "unfreundlichen Nachbarschaftsakt" und der SPD-Generalsekretär Olaf Scholz höhnt: " Ich wünsche Herrn Schüssel viel Spaß in der Opposition."

18.11.2002 09:08