Fälle von sexuellem Missbrauch im Stift Seitenstetten
- Strafrechtlich verjährt, zivilrechtlich jedoch noch strafbar
- Opfer haben Anspruch auf Schadenersatz durch den Täter
Die Opfer jenes Paters aus dem Stift Seitenstetten, der zwischen 1986 und 1989 Ministranten teilweise schwerst sexuell misshandelt haben soll, haben Anspruch auf Schadenersatz. Dies bestätigte am Donnerstag eine Wiener Anwältin. Faktum ist: Während Unzucht mit Unmündigen strafrechtlich nach fünf Jahren verjährt, können finanzielle Entschädigungen 30 Jahre lang geltend gemacht werden.
Die Höhe der Schadenssumme, die vom Täter selbst zu begleichen ist, hänge von der Schwere und der Anzahl der Übergriffe ab, so die Anwältin. Der mutmaßliche Sexualattentäter hat sich nach Unterziehung einer Therapie selbst angezeigt. Davor war er vom Kloster ein Jahr lang ins Ausland geschickt worden.
Kloster zahlte Entschädigung und Therapie
Insgesamt liegen 53 Tatbestände mit neun Opfern vor, die zum Zeitpunkt der Übergriffe jünger als 14 Jahre waren. Die Anschuldigungen durch die ehemaligen Ministranten liegen laut Abt Berthold Heigl schon einige Monate zurück. In einem Gespräch mit Kathpress bestätigte Heigl, dass die Situation "für alle Beteiligten sehr schlimm" sei. Man solle jedoch die ganze Geschichte medial nicht hochspielen, so der Abt: "Die Opfer wollen das nicht. Vieles lässt sich nicht mehr gutmachen." Den Betroffenen sei aber finanziell geholfen worden, auch Therapien wurden ermöglicht und vom Kloster bezahlt.
Der Abt gestand ein, dass man "damals aus heutiger Sicht mehr hätte tun müssen". Das entsprechende Bewusstsein wäre in den achtziger Jahren jedoch noch nicht vorhanden gewesen. Von den Verdachtsmomenten gegen den betreffenden Frater habe man gewusst und ihn auch sofort aus dem Dienst in der Sakristei entfernt.
Täter laut Abt schwer depressiv
Der Täter selbst leidet nach Angaben des Abtes "unter schweren Depressionen" und macht derzeit eine achtwöchige Therapie. Trotz seiner "schweren Schuld" werde man seitens der Klostergemeinschaft "auch in Zukunft zu ihm stehen", so Heigl.
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