Otto Habsburg feiert seinen 90. Geburtstag
- Dankgottesdienst im Stephansdom, Festakt in Hofburg

Mit einem feierlichen Dankgottesdienst im Stephansdom und einem Festakt in der Hofburg, der Residenz seiner Vorfahren, wurde am Mittwoch in Wien der 90. Geburtstag von Otto Habsburg-Lothringen begangen. Kardinal Christoph Schönborn, Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und der Präsident des EU-Konvents und ehemalige französische Staatspräsident Valery Giscard d'Estaing würdigten den Sohn des letzten österreichischen Kaisers als großen Europäer.
Der Jubilar betonte in einer Rede vor 1.300 geladenen Gästen: "Es gibt ein Recht auf Europa. Europa ist für alle Europäer da." Der Präsident der Internationalen Paneuropa-Union und langjährige Mandatar der bayerischen CSU im Europaparlament, dessen Alterspräsident er auch war, fügte hinzu: "Aber Europa ist noch nicht fertig. Wir haben noch ganz große Aufgaben vor uns".
Giscard d'Estaing ehrt Habsburg
Als "Kaiser eines Reiches, das nicht mehr existiert", habe Otto Habsburg eine "hervorragende Wahl getroffen: Nicht mehr einer Nation zu dienen, sondern einem ganzen Kontinent: Europa", erklärte Giscard d'Estaing. Er sehe in ihm ein lebendes Symbol für die Fähigkeit Europas, seine historischen Ressourcen zum Aufbau seiner Zukunft zu nutzen. Der Lebensweg des einstigen Kronprinzen der österreichisch-ungarischen Monarchie sei manchmal schmerzhaft und schwierig gewesen, aber man könne sich fragen, ob er nicht menschlich reicher und historisch bedeutsamer gewesen sei, als "der imperiale Weg". "Möge die Geschichte, deren Erbe sie sind, zur Zukunft des vereinten Europa beitragen, deren Garant zu sein, sie gewählt haben", wünschte der EU-Konventschef dem altgedienten Europapolitiker.
Auch Schüssel dankt
Schüssel dankte dem Jubilar besonders für dessen treues Bekenntnis und Engagement für Österreich und gegen alle Formen von Totalitarismen. Auf Grund dieses Bekenntnisses sei er als junger Mensch vom Nationalsozialismus verfolgt worden. Der "unerschütterlicher Glaube an ein großes, freies Europa" sei die "zentrale Triebkraft" Habsburgs in all seinen Tätigkeiten gewesen, unterstrich der Regierungschef.
Schönborn: "Baumeister eines neuen Europa"
Bei dem Festgottesdienst im Stephansdom sagte Kardinal Schönborn in seiner Predigt: "Die Monarchie ist zerfallen. Sie sind zu einem der Baumeister eines neuen Europa geworden". Otto Habsburg sei nie Herrscher eines großen Reiches geworden, doch sein Einsatz, sein bedingungsloses Dienen würden ihn als großen Herrscher auszeichnen. "Sie haben das Land, das ihnen so lange die Heimat verwehrt hat, geistig nie verlassen. Sie haben ihm in schwerster Zeit rastlos beigestanden (...) Sie haben für seine Befreiung gekämpft und dafür, dass ihm Deutschlands Teilung erspart bleibe", sagte Schönborn. Über alle Kränkungen habe er jedoch "großzügig" hinweggesehen.
Segenswünsche vom Papst
Papst Johannes Paul II. ließ dem Jubilar Glück- und Segenswünsche zukommen. Darin fand er lobende Worte für Habsburgs Verdienste um den katholischen Glauben. "Mit einem sich aus übernatürlichen Quellen nährenden Einsatz gilt sein unermüdliches Arbeiten dem Aufbau eines auf dem Boden des christlichen Glaubens geeinten Großeuropa, in dem Frieden, Recht und Freiheit das Zusammenleben der Völker bestimmt."
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