Freitag, 15. November 2002

Netzbetrieb von Mobilfunkanbieter Quam abgestellt

  • Unternehmen hat noch keinen Interessenten für UMTS-Lizenz

Das Mobiltelefonieren über den Münchner Anbieter Quam ist nach nicht mal einem Jahr zu Ende. Wie ein Sprecher des Unternehmens mitteilte, werde der Netzbetrieb wie geplant um 24 Uhr abgestellt. Handys von Kunden, die nicht dem Angebot zu einem vergünstigsten Wechsel zum Konkurrenten T-Mobile gefolgt sind, können damit nicht mehr erreicht werden.

Nicht betroffen vom Ende des Geschäftsbetriebs ist die von Quam im Sommer 2000 ersteigerte UMTS-Mobilfunklizenz. Hier wolle sich das Unternehmen weiter alle Optionen offen halten, sagte der Sprecher. Konkrete Verhandlungen über einen Verkauf gebe es aber derzeit nicht.

Spanisch-finnisches Gemeinschaftsunternehmen
Quam ist ein Gemeinschaftsunternehmen der spanischen Telefónica (57,2 Prozent) und der finnischen Sonera (42,8 Prozent). Das Joint Venture hatte im Sommer 2000 als einer von sechs Bietern für über acht Mrd. Euro eine UMTS-Mobilfunklizenz in Deutschland erworben. Um sich eine Kundenbasis für die neuen Dienste zu sichern, stieg Quam Ende November vergangenen Jahres dann auch in den herkömmlichen Mobilfunk ein, ohne allerdings über ein eigenes Netz zu verfügen. Das Unternehmen hatte dabei Schwierigkeiten, sich auf dem umkämpften Markt zu etablieren und konnte nur 200.000 Kunden werben.

Nur noch knapp über 100 Mitarbeiter
Von den ursprünglich 900 Mitarbeitern arbeiten zur Zeit den Angaben zufolge noch etwas über 100 bei Quam. Der Stellenabbau folgte demnach über einen Sozialplan, die Entlassenen wurden mit mindestens zwei Monatsgehältern abgefunden. Auf Dauer soll nur ein Kernteam von etwa 50 Beschäftigten übrig bleiben, die die Restrukturierung des Unternehmens abschließen sollen.


Quam als eigenständiger UMTS-Anbieter?
Quam hatte Ende Juli den Ausbau seines UMTS-Mobilfunknetzes auf Eis gelegt, nachdem die Eigner Telefonica aus Spanien und Sonera aus Finnland ihre finanzielle Unterstützung eingestellt hatten. Gleichzeitig stoppte das Unternehmen die Anwerbung von Neukunden im herkömmlichen Mobilfunk. Dass Quam als eigenständiger UMTS-Anbieter noch eine Zukunft hat, halten Branchenkenner für unwahrscheinlich.

25% UMTS-Abdeckung bis Ende 2003
Gemäß den Lizenzbedingungen müssen die sechs deutschen UMTS-Firmen bis Ende 2003 mit ihren Netzen 25 Prozent der Bevölkerung abdecken, bis 2005 dann 50 Prozent. Mit dem Stopp des Ausbaus seit Juli ist das für Quam kaum mehr zu schaffen, ein Verkauf des Restunternehmens mitsamt der UMTS-Lizenz an einen neuen Investor gilt deshalb als wahrscheinlichste Lösung.

Weitere Informationen:

  • Quam-Website

    15.11.2002 17:22