Kulturschaffende greifen in den Wahlkampf ein
- Voss für die SPÖ, Hampson für die ÖVP, Fischer für die Grünen
Ungewöhnlicher Schritt zweier internationaler Superstars der Bühne unmittelbar vor der Nationalratswahl: Obwohl nicht wahlberechtigt - aber in Österreich sesshaft und mit dem Land eng verbunden - wenden sich der Schauspieler Gert Voss und der Opern-Bariton Thomas Hampson in der morgen erscheinenden NEWS-Ausgabe mit Wahlaufrufen an die Bevölkerung. Für die Grünen wirbt Ottfried Fischer ("Bulle von Tölz").
Voss für SPÖ. Voss - sein von Rose Kern gefertigtes TV-Porträt ist am kommenden Sonntag um 9.50 Uhr in ORF 2 zu sehen - wirbt für die SPÖ: "Diese Koalition hat durch ihr abruptes Ende zur Genüge bewiesen, dass sie der Regierungsarbeit nicht gewachsen ist. Vor allem die FPÖ hat sich zwei Jahre lang in einer Art von Dilettantismus überboten, wie man sie unter auch nur einigermaßen ernst zu nehmenden Politikern nicht für möglich gehalten hätte. Nun kündigt sich die Fortsetzung dieser Koalition an, und ich halte es auch als Ausländer für dringend erforderlich, das zu verhindern."
Voss räumt allerdings ein, die SPÖ habe in der Ära Klima Fehler begangen - insbesondere durch den Verzicht auf Scholten und Peymann. "Aber ich erhoffe mir, dass die Partei unter Gusenbauer wieder die Qualität der Vranitzky-Jahre gewinnt und dass die Kultur jemandem mit dem Format Scholtens überantwortet wird. Peter Marboe hätte dieses Format. Aber der hat ja nicht einmal in der eigenen Partei genügend Lobby."
Hampson für ÖVP. Hampson ("Ich bin in Österreich Gast, wenn auch ein liebevoll aufgenommener, und ich bin auch kein Freund der zahllosen Celebrity-Umfragen, wenn sie zu Lasten der Substanz und der Tatsachen gehen") erklärt sich dennoch deutlich für Schüssel und die ÖVP: "Als politischer Mensch und Künstler kann ich nur alles unterstützen, was das Individuum in die Lage versetzt, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, statt von einer Partei bevormundet zu werden. Darunter verstehe ich Menschenrecht, Freiheit und vor allem Privatinitiative - in der Kunst wie in der Wirtschaft. Deshalb ist die ÖVP die einzige Partei, die ich unterstützen kann."
Allerdings verstehe er, "dass manche spontan rot-grün sagen, weil sie das widerliche Gedankengut Haiders ablehnen. Aber wir dürfen nicht das Menschlichste an der neuen Ökonomie gering schätzen: niedrige Arbeitslosigkeit, zunehmendes Wachstum, deutlich verbesserte Schuldenpolitik. Vor zwei Jahren, als der Wirbel um Österreich begann, habe ich das Land gern verteidigt, weil für mich der Zerfall der FPÖ immer nur eine Frage der Zeit war. Ich war von Kanzler Schüssel als Mensch und Politiker immer begeistert. Bewundernswert, wie er und sein Team dann die Krise der ungerechten Sanktionen gemeistert haben. Franz Morak hat das in Österreich besonders schwierige Feld der Kulturpolitik sehr gut bewältigt. Mit gefällt seine Intelligenz und das, was ihm oft vorgeworfen wird: sene Emotionalität."
Ottfried Fischer für die Grünen. Für die Grünen wirbt Ottfried Fischer ("Der Bulle von Tölz"): " Ich habe nie verstanden, weshalb die Österreicher Blau wählen.So schlecht ist es euch ja nicht gegangen, dass so etwas nötig gewesen wäre. Ohne dafür Beweise zu haben, befürchte ich, dass die Zeit für Rot-Grün in Österreich noch nicht reif ist. Aber das wäre die große Chance, Schwarz-Blau zu verhindern. Deshalb unterstütze ich die Grünen, und weil Ökologie etwas Grenzüberschreitendes ist: Temelin betrifft uns alle, deshalb ist die grüne Idee für mich etwas essenziell Wichtiges. "
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