Freitag, 15. November 2002

Rechte "Jugendsünde" kostete Juristen hohen Job

  • Vorstand war seit gestern informiert

Mit der rechten Szene will der Jurist Martin Neidthart (46) nichts mehr zu tun haben, sein Engagement in den 70er und 80er-Jahren bei einer rechten militanten Gruppe sei eine "Jugendsünde" gewesen - dennoch, Neidthart wird den Job als Immobilien-Chef der Bundesbahnen - trotz Vertrags - nicht bekommen. Der ÖBB-Vorstand hat schnell geschaltet: am Donnerstag kamen die Hinweise auf die politische Vergangenheit des präsumtiven Immobilien-Chefs, sie wurden geprüft, Freitagmittag fiel die Entscheidung: Kein Job für Neidthart.

Neidthart sollte mit 1. Dezember 2002 Heinz Redl nachfolgen, der das Unternehmen einvernehmlich verlässt. Zuletzt war Neidthart von Juni 2001 bis November dieses Jahres Geschäftsführer der Universale International GmbH. Davor war der gelernte Jurist laut Lebenslauf bei der Universale-Bau, als Prokurist und später als Leiter des Bereiches Recht, Liegenschaften und Beteiligungen tätig gewesen.

Laut Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus war Neidthart in den 70er- und 80er-Jahren Mitglied einer rechtsextremen Gruppe namens "Nationalistischer Bund Nordland", NBN. Nach Angaben des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes (DÖW) habe Neidtharts Anwalt Peter Amhof jedoch erklärt, dass sein Mandant mit der rechten Szene nichts mehr zu tun habe und sich heute von seinen "Jugendsünden" distanziere. Neidthart selbst bzw. sein Anwalt waren am Freitagnachmittag für eine Stellungnahme gegenüber der APA vorerst nicht erreichbar.

"Die NBN galt bis zur VAPO als die militanteste Gruppe im österreichischen Rechtsextremismus", sagte Heribert Schiedel vom DÖW. Neidthart war weiters, wie das Handbuch ausführt, "verantwortlicher Redakteur" der NBN-Zeitung "Der Stoßtrupp". Außerdem soll er sich damals an "Provokationen des NBN in Linz-Urfahr und wenige Tage später in Salzburg" beteiligt haben, bei der die NBN-Aktivisten in "SS-ähnlichen Uniformen" aufmarschierten, heißt es in der Publikation.

Die ÖBB betonten am Freitag, dass "der für eine Anstellung notwendige Strafregisterauszug keine Einträge beinhaltet" habe. Der Personalberater habe Neidthart auf Grund dessen Qualifikation vorgeschlagen. Übrigens handelt es sich bei dem Personalberater - nach ÖBB-Kreisen - um Egon Zehnder, dessen Geschäftsführer Joachim Kappel als enger Vertrauter von FPÖ-Vizeobmann Thomas Prinzhorn gilt. Kappels Gattin Barbara ist Büroleiterin Prinzhorns und kandidiert bei den Nationalratswahlen für die FPÖ.

Der Vorstand hat am Donnerstag von den Hinweisen erfahren und diese sofort geprüft. Insbesondere musste eine Namensgleichheit ausgeschlossen werden. Als fest stand, dass die Hinweise auf Neidthart richtig waren, habe der Vorstand am Freitag beschlossen, von Neidthart als Mitarbeiter abzusehen, betonte Unternehmenssprecher Michael Hlava der APA.

Ob der bereits bestehende Vertrag gekündigt wird oder auf Grund der neuen Tatsachen von vornherein nichtig ist, werde derzeit von den Juristen geprüft. Auch die Kostenfrage muss noch geklärt werden. Offen ist auch, wer Immobilien Chef wird.

15.11.2002 19:19