Fiat-Belegschaft schneidet Sizilien vom Festland ab
- Zufahrt zur Meeresenge von Messina unterbrochen
Rund 1.000 Arbeitnehmer der sizilianischen Fiat-Werke von Termini Imerese (Palermo) haben am Freitag die Zufahrt zu den Ferry Boats blockiert, die über die Meeresenge von Messina Sizilien mit dem italienischen Festland verbinden. Passagier- und Warenverkehr wurden lahm gelegt. Auch die Bahnverbindungen wurden unterbrochen.
Rund um den Hafen von Messina (Nord-Osten Siziliens) kam es zu chaotischen Zuständen. Mit ihrer eklatanten Demonstration protestieren die Arbeiter gegen die am 2. Dezember geplante Stilllegung der sizilianischen Fiat-Werke, in denen das Modell Punto hergestellt wird.
Die Sperrung der Fiat-Produktionsanlagen in Termini Imerese ist Teil der tiefgreifenden Umstrukturierungsaktion, die Fiat zur Rettung des Unternehmens in die Wege leiten will. Der Plan sieht bis Ende des zweiten Halbjahres 2003 die Streichung von 8.100 Arbeitsplätzen vor. Gegen den massiven Abbau führt die Fiat-Belegschaften seit Wochen einen scharfen Arbeitskampf. Diese Woche wurden bereits den Hafen und den Flughafen von Palermo blockiert. "Wir werden weitere eklatante Demonstrationen planen, um die Aufmerksamkeit auf unser Drama zu lenken. Wenn die Fiat-Werke sperren, ist es für diesen Teil Siziliens das Ende", betonte ein Gewerkschaftssprecher.
Die sizilianischen Arbeitnehmer können in ganz Italien mit Solidarität rechnen. Am Freitag legte das Personal in allen italienischen Fiat-Werken acht Stunden lang die Arbeit nieder. Die drei Millionen Metallarbeiter in Italien streikten vier Stunden lang am Freitag, um ihre Solidarität mit den Kollegen von Fiat zu bekunden.
Am 26. November ist eine weitere Großdemonstration der Fiat-Arbeitnehmer in Rom geplant, um die Hilfe der Regierung gegen den Stellenabbau zu fordern. Am 13. Dezember planen die Gewerkschaften den ersten gesamteuropäischen Streik der Fiat-Arbeitnehmer. Die Werke der Turiner Autogruppe in Italien, in den Niederlanden, in Portugal, Deutschland und Polen werden die Arbeit niederlegen, um gegen das Fiat-Management zu protestieren, das an seinem Umstrukturierungsplan fest hält.
Obwohl der massive Stellenabbau ausschließlich die italienischen Fiat-Werke betrifft, sind die Metallgewerkschaften in ganz Europa zutiefst besorgt. Die Krise der Turiner Gruppe und die mögliche Fusion mit Opel unter der Regie des amerikanischen Fiat-Partners General Motors könnte gravierende Effekte für die europäische Autoindustrie und auf die Beschäftigung haben. Hatte der Turiner Konzern 1991 noch 76 Prozent seines Personals in Italien beschäftigt, so schrumpfte dieser Prozentsatz zehn Jahre später auf 48 Prozent zusammen. 27 Prozent der Fiat-Belegschaft ist derzeit im europäischen Raum und 25 Prozent außerhalb Europas beschäftigt.
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