Von bundesweit 216 Filialen wird jede 10. geschlossen
- Verkauft! Taus-Konsortium ersteigert Libro für 5 Mio. Euro
- PLUS: Alle Infos rund um den Verkauf! (siehe Kasten)
·Betriebsrat
Über neuen Eigner Taus erfreut
·Einst Börsestar
Libro wurde 1978 gegründet
Nach Weihnachten kommt die Sperrstunde für jede 10. Filiale! Das teilte der Masseverwalter am Montag mit. Erst am Sonntag wurde der in den Konkurs geschlitterte Libro verkauft. Bei einer Versteigerung kam die Filial-Kette unter den Hammer, der Zuschlag ging an das Bieterkonsortium des Industriellen Josef Taus. Preis: Das "Meistgebot" von 5 Mio. Euro, was nur dem ursprünglichen Mindestgebot (Ausrufungspreis) entsprach.
Die zur Taus-Holding MTH gehörende IPO Beteiligung-Management AG übernimmt "voraussichtlich 192 Filialen sowie die Zentrale", teilte Masseverwalter Günther Viehböck am Montag mit. Die nicht übernommenen Filialen "werden nach dem Weihnachtsgeschäft geschlossen". Libro hat nach den letztverfügbaren Angaben bundesweit 216 Filialen.
Die Übertragung des Unternehmens soll laut Viehböck zum Jahreswechsel erfolgen. Was bedeutet, "dass das Weihnachtsgeschäft noch voll unter der Führung der Masseverwaltung abgewickelt wird". Für die Umsetzung des Eigentümerwechsels müsse der Gläubigerausschuss noch die konkursrechtliche Genehmigung und das Konkursgericht die nötige kartellrechtliche Bewilligung geben, erinnert der Masseverwalter.
Der Weiterbestand von Libro sei sichergestellt werden, teilten Libro-Masseverwalter Günther Viehböck und das Käuferkonsortium um Taus mit. Aufgrund der beabsichtigten Fortführung des "größten Teils" der insgesamt 216 Filialen würden auch die entsprechenden Arbeitsplätze erhalten bleiben. Die Finanzierung für einen "wirtschaftlich vernünftigen Neustart" von Libro sei gewährleistet, wird betont.
Bereits seit Freitag Abend hatte das Taus-Konsortium als aussichtsreichster Bewerber gegolten, nachdem sich der Bieterkreis zuletzt abermals reduziert hatte. Der Verwertungserlös fließt an den Masseverwalter zur Abdeckung der Insolvenzschulden. Insgesamt beschäftigte Libro zuletzt rund 1.500 Mitarbeiter.
Der ehemalige ÖVP-Spitzenpolitiker Taus, der beste Kontakte zu Großbanken pflegt, hat in seiner eigenen Firmengruppe zuletzt wieder frisches Kapital für Akquisitionen aufgestellt. Zum Taus'schen Firmenimperium gehören heute u.a. die Herold-Druckerei, der Ed. Hölzel-Verlag sowie die Maschinenbaufirma Mauser. Über ein Konsortium ist Taus heuer auch beim größten bulgarischen Mobilfunkanbieter Mobiltel eingestiegen.
An der Libro-Versteigerung nahm die IPO Beteiligungs-Management AG Nfg KG von Taus am Sonntag im Übrigen überraschend ohne den bis zuletzt als Konsortial-Partner vorgesehenen Wiener Buchhändler Wilhelm Sotsas teil, der sehr kurzfristig erst am Freitag aus dem Konsortium abgesprungen ist, wie er am Sonntag der APA bestätigte. Sotsas hatte früher bereits zwei Filialen der von Libro abgespaltenen Buchhandelskette Amadeus erworben und betreibt derzeit acht Buchhandlungen. Sotsas zog sich am Freitag kurzfristig aus der Bietergruppe zurück, da einiges ungeklärt und das Risiko für ihn zu hoch gewesen wäre, wie der Geschäftsführer von WISO-Buchhandel und Frick-Buchhandlung zur APA sagte. Für einen späteren Zeitpunkt wollte Sotsas heute sein Interesse an Libro aber nicht ausschließen.
Chancen waren davor auch der Familie Stern eingeräumt worden, die erst kürzlich die Mehrheit ihres Büroartikel-Unternehmens Donau Design an die Schweizer Biella verkauft hat, die nun 74 Prozent hält. Stern bzw. Donau Design ist einer der größten Libro-Lieferanten bei Büroartikeln. Nur mehr bis Freitag als Dritter im Rennen war eine Bietergruppe um den ehemaligen Herlango-Manager Thomas Theuretzbacher gewesen. Theuretzbacher stieg aber im letzten Moment aus, auch er sprach gegenüber der APA von "zu großem Risiko" und teuren Abfertigungsansprüchen. Allerdings hatten auch Gläubigerkreisse Theuretzbacher nie wirklich zu den Favoriten gezählt. Schon länger nicht mehr im Rennen um Libro war der in den letzten Monaten mehrfach als Interessent genannte oberösterreichische Büromaterial-Großhändler Anton Stahrlinger.
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