Donnerstag, 14. November 2002

Oktober 2002: Banken haben Milliarden zu viel kassiert

  • Böhmdorfer "größer Wirtschaftsskandal Österreichs"
  • Zinsschaden von 4,54 Mill. Euro festgestellt

Für Konsumentenschutz-Minister Böhmdorfer ist die Verrechnung von überhöhten Kreditzinsen durch die Banken der "größte Wirtschaftsskandal in Österreich". Privatkrediten 10 Prozent und bei Kontokorrentkrediten sogar 15,77 Prozent zu viel kassiert worden, das ergab der Zwischenbericht des "Vereins für Abrechnungskontrolle" im Oktober 2002.

Der "Verein für Abrechnungskontrolle" - seine Mitglieder sind das Justizministerium, die Rechtsanwaltskammer Wien, die Volksanwaltschaft und die Kammer der Wirtschaftstreuhänder - hat bis zum 16. Oktober 2002 1.972 Anfragen zu Kreditzinsen und von 650 Kreditnehmern 1.162 Akte zur Überprüfung erhalten. Bis dahin wurden 554 Kredite auf Zinsschaden überprüft, wobei eine Schadenssumme von 4,54 Mill. Euro festgestellt wurde.

Der durchschnittliche Zinsschaden pro Kredit beläuft sich auf 8.200 Euro. Bei Privatkrediten sind es 4.649 Euro, bei Geschäftskrediten 9.742 und bei Kontokorrentkrediten 15.347 Euro.

Banken leugnen nicht
"Das bestreiten die Banken auch nicht", sagte Böhmdorfer. Er warf ihnen in diesem Zusammenhang vor, bis zu 1.800 Euro für die Herausgabe der Unterlagen zu verlangen und die Herausgabe sogar zu verweigern. Damit würde wissentlich gegen die Interessen von Kreditnehmern vorgegangen werden. "Das geht sogar so weit, dass Anwälte, welche die Interessen von Kreditnehmern vertreten, bedroht werden, indem ihnen gesagt werde, sie würden von Banken keine Aufträge mehr erhalten", betonte der Minister.
(apa, red)

14.11.2002 11:46