Dienstag, 12. November 2002

Dividenden – Vergessenes Gold aus stabilen Aktien

  • Nach dem Crash: Die Rückkehr der stabileren Wertanlagen

Die "Aktien-Blase" ist unüberhörbar geplatzt. Die unrealistisch überhöhten Kurse sind in den Keller gerasselt. Schwere Zeiten für Anleger? Nicht unbedingt. Denn irgend etwas geht immer. Die seit einigen Jahren von den meisten Anlegern belächelten dividenden-orientierten Anlage-Strategien sind einer Privatbank zufolge wieder im Kommen.

"Ende der 90-er Jahre zählte nur der Kursgewinn einer Aktie," erinnert Martin Wachter, Geschäftsführer der Privatbank "Anglo Irish Bank". "Anleger wollten möglichst schnell möglichst viel Geld verdienen. Dividendenzahlungen spielten nur eine untergeordnete Rolle." Doch mit dem Kurssturz fand eine Rückbesinnung auf stabile, sichere Werte – wie eben eine Dividende – statt.

Die Dividende
Die Dividenden-Rendite wird durch die Teilung der jährlichen Dividende pro Aktie durch den aktuellen Kurswert berechnet. Erhöht sich die Dividende, dann wächst die Auszahlung auch bei gleich bleibenden oder sogar sinkenden Kurswerten.

Stamm- und Vorzugsaktien
Firmen geben meist Stamm- und Vorzugsaktien aus. Eine Stammaktie verleiht dem Halter Stimmrecht in der Hauptversammlung und das Recht auf eine Dividende. Die Vorzugsaktie bedeutet eine noch höhere Dividende – dafür muss der Halter auf das Stimmrecht verzichten.

Die Gefahr: Die Hauptversammlung aller stimmberechtigter Aktionäre kann beschließen, dass keine Dividende ausgeschüttet, sondern zum Beispiel neu investiert wird. In diesem Fall, oder bei kräftigen Verlusten der Firma, bleibt die Dividendenzahlung ganz aus. Auch für die Halter von Vorzugsaktien, die nicht mitstimmen durften.

Unternehmen genau prüfen
Bevor man sich für den Ankauf von Aktien entscheidet, muss man sich die Firma genau ansehen. Nicht nur die Dividendenrendite und die letzten Kursgewinne sind entscheidend. Der Jahresüberschuss einer Firma sollte mehr als 1,5 mal höher sein als die ausgeschüttete Dividende. Wer investieren will, sollte auch darauf achten, dass "sein" Unternehmen über hohe Rücklagen verfügt und in den vergangenen drei Jahren einen möglichst stabilen Anstieg verzeichnen konnte. Doch leider ist auch die genaueste Prüfung kein Garant für zu erwartende Kursgewinne oder Dividendenausschüttungen.

Unternehmen mit hohen Devisenrenditen sind normalerweise solche aus "defensiven" Branchen, erklärt die Anglo Irish Bank. Zu ihnen zählen Finanzdienstleister, Versorgungsunternehmen und Tabakkonzerne.

Breit Streuen bringt Sicherheit
Aber Vorsicht: Eine zu starke Konzentration auf einzelne Branchen erhöht das Risiko, plötzliche branchenspezifische Krisen voll abzubekommen. Es ist nicht umsonst eine Grundregel für Anleger, das Portfolio so breit wie möglich zu streuen.

12.11.2002 14:03