Wirtschaft stockt - Wifo: BIP wuchs bis Juni nur 0,5%
- Mäßige Aufwärtsentwicklung, aber kein Aufschwung
- Österreich heuer mit einem der stärksten Arbeitslosenzuwächse

Wifo und IHS übertreffen einander heuer laufend mit pessimistischen Voraussagen; und zwar durchaus zurecht. Österreichs Konjunktur stockt. Das belegen einmal mehr auch die neuesten, genaueren Zahlen des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo). Im ersten Halbjahr 2002 ist die heimische Wirtschaft gegenüber dem Vorjahr nur um 0,5 Prozent gewachsen.
Für die zweite Hälfte des Jahres rechnet Wifo-Experte Ewald Walterskirchen mit etwas höheren Wachstumsraten. Das Ausmaß der Beschleunigung hänge aber von der Stabilisierung der Weltwirtschaft und auch vom Weihnachtsgeschäft ab.
Die Unternehmensbefragungen des Wifo zeigen seit Jahresbeginn eine schwache Aufwärtstendenz, unterbrochen von Rückschlägen. Im laufenden vierten Quartal habe sich die Stimmung in der Sachgüterzeugung "leicht aufgehellt". Walterskirchen zufolge deuten derzeit alle Indikatoren auf eine mäßige Aufwärtsentwicklung, nicht jedoch auf einen Aufschwung hin.
"Die Konjunktur bleibt im Euro-Raum und in Österreich nach wie vor schwach", hält der Wirtschaftsexperte im jüngsten Wifo-Monatsbericht fest. Die Wirtschaft habe sich im Frühjahr zwar erholt, die Dynamik sei seither jedoch sehr gering gewesen, und ein Aufschwung habe nicht eingesetzt. Die Gründe sieht Walterskirchen vor allem darin, dass die Investitions- und Konsumnachfrage gedrückt ist und die US-Wirtschaft als Konjunkturmotor nicht in Gang kommt.
Arbeitsmarkt bleibt gespannt
"Auf dem Arbeitsmarkt kann eine Trendwende erst nach einer spürbaren Erholung der Wirtschaft eintreten", betont der Wifo-Experte. Im Oktober nahm die Zahl der Arbeitsplätze gegenüber dem Vorjahr um 21.700 ab. Der Rückgang sei ähnlich hoch ausgefallen wie in den Monaten zuvor. Im Herbst habe sich der Anstieg der Arbeitslosigkeit vor allem auf Grund zunehmender Schulungsaktivitäten verlangsamt. Laut Wifo zählt Österreich heuer zu den Ländern mit der stärksten Steigerung der Arbeitslosigkeit in der EU.
Die Auswirkungen der Konjunkturschwäche könnten nach Einschätzung des Wifo zur Folge haben, dass das Defizit der öffentlichen Haushalte heuer 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erreicht. Dies hänge jedoch noch von der Wirtschaftsentwicklung am Jahresende ab. Im Gegensatz zu Portugal, Deutschland, Frankreich und Italien werde das Budgetdefizit in Österreich 2002 weit unter der 3 Prozent-Marke liegen.
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