Italienisch Essen: Kampf gegen Industrie-Pesto
- Gütesiegel "Made in Italy" soll Italiens Küche schützen

Was den Deutschen das Bier und den Franzosen der Wein, das sind Pasta, Pesto und Parmesan den Italienern. Es muss regionaltypisch schmecken und sollte mit traditionellen Zutaten hergestellt werden. Mit einem neuen "Reinheitsgebot" will Italien seine Restaurants vor grassierenden Geschmacklosigkeiten aus der internationalen Nahrungsmittelindustrie schützen.
Auch im Ausland soll Pizza von zweifelhafter Qualität nicht mehr als italienische Küche durchgehen. Wer sich mit der neuen Marke "Made in Italy" schmücken will, muss sich am Herd Authentizität und Tradition verpflichten.
Glitschig-süßliche Tomatensoße, Industrie-Pesto, das keinen Unterschied zwischen Basilikum und Petersilie macht, oder Parmesan, der mit Parma so wenig zutun hat wie Pizza Hawai mit der Insel im Pazifik. Diese und ähnliche kulinarische Fehltritte sollen künftig nicht mehr als original italienisch durchgehen.
Dies ist das Ziel einer Initiative des Landwirtschaftministeriums in Rom, des internationalen italienischen Gaststättenverbandes (ARDI) und der Unternehmervereinigung Confcommercio. Dabei setzen die Beteiligten nicht auf Sanktionen, sondern allein auf Druck aus der Kundschaft. Bei Restaurants trifft deshalb eine Jury eine strenge Auswahl, wer das neue Gütesiegel für sich beanspruchen darf. Wer die Auszeichnung nicht hat, dürfte bei qualitätsbewussten Gästen bald verloren haben, so der Grundgedanke.
Qualitätssprung
Geht es nach Landwirtschaftsminister Gianni Alemanno, dann gibt es den gastronomischen "Qualitätssprung" auch im Ausland so schnell wie möglich. Es gehe darum "wahrhaft Italienisches" von Fremdem abzugrenzen. Ein Pilotprogramm ist für das erste Halbjahr 2003 in Belgien geplant.
Ab September könnten auch in anderen Ländern entsprechend qualifizierte Restaurants das Gütesiegel "Made in Italy" erwerben.
Natürlich hoffen Ministerium und Wirtschaftsverbände, dass "Made in Italy" auch die Kassen klingeln lässt. Restaurants im Ausland kauften schon im vergangenen Jahr Lebensmittel im Wert von rund 27 Milliarden Euro aus Italien, wie Confcommercio-Präsident Sergio Bille berichtet. Mit dem neuen Qualitätssiegel könnten die Exporte schnell steigen.
Parmesan: Sieg über USA und Argentinien
Rom kämpft schon seit geraumer Zeit um den Schutz regionaltypischer Produkte. Dem zunehmend härter werdenden Konkurrenzkampf auf dem internationalen Lebensmittelmarkt wollen die Italiener nun die einzig wahre Pizza Magherita wie ein Stopp-Schild entgegenhalten. Bereits im April verkündeten sie nach einer Entscheidung der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FA0) einen Sieg über Argentinien und die USA im Kampf um die Marke Parmesan. Sie ist nun immerhin für weitere zwei Jahre geschützt.
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