Montag, 11. November 2002

Zehnter Todestag von "Wödmasta" Ernst Happel

  • Österreichs Fußball-Legende feierte 18 Titel

Am 14. November jährte sich bereits zum zehnten Mal der Todestag des schon zu Lebzeiten über die Grenzen Österreichs zur Fußball-Legende gewordenen Ernst Happel. Der "Wödmasta", wie sein Spitzname lautete, erlag nur wenige Tage vor seinem 67. Geburtstag in der Innsbrucker Uni-Klinik nach langer und schwerer Krankheit einem Krebsleiden. Um 17.17 Uhr eines kühlen Herbsttages hörte sein Herz zum Schlagen auf.

"Trauert nicht, dass er gestorben ist, freut euch, das er gelebt hat"! Mit diesem Satz, der nach dem Ableben Happels in dem Buch mit dem Titel "Danke Ernst" (Orac-Verlag) erschienen ist, verabschiedeten sich später Happels Kartenfreunde aus dem Ottakringer Cafe Ritter vom begeisterten Tippler. Für den europäischen und den österreichischen Fußball war er ein Segen. Die letzte Station war die des ÖFB-Teamchefs gewesen.

Bis zum Schluss am Fußballplatz
Die Nationalmannschaft kommandierte er vom 1. Jänner 1992 an bis fast zu seinem letzten Atemzug. Jene Elf, die kurz nach seinem Tod in Nürnberg gegen Deutschland (0:0) antrat, hat noch die Handschrift Happels getragen, "Co" Didi Constantini hatte die Taktik des Chefs umgesetzt. Das erklärte Ziel, die Teilnahme seiner "Buam" an der WM-Endrunde 1994 in den USA, war ihm auch posthum nicht gegönnt.

Als Trainer 18 Titel gefeiert
Nach nur neun Länderspielen mit zwei Siegen und vier Niederlagen bei drei Remis (18:17 Tore) war er von höherer Stelle abberufen worden. Insgesamt 18 Titel (u.a. Meister- und Weltcup mit Feyenoord 1970 und Meistercup mit dem HSV 1983) mit nicht weniger als sechs verschiedenen Vereinen (Feyenoord Rotterdam, FC Brügge, ADO Den Haag, Standard Lüttich, Hamburger SV und SSW Innsbruck) aus vier Ländern machten Happel damals zum erfolgreichsten Klubtrainer der Welt.

Stange verhinderte den größten Triumph
Als Teamchef der niederländischen Auswahl verpasste der Wiener sozusagen nur um Stangenbreite den WM-Titel. Im Endspiel 1978 schoss Rob Rensenbrink in der 90. Minute beim Stande von 1:1 an den linken Pfosten, in der Verlängerung gewannen die Argentinier dann 3:1. Als Spieler kam Happel auf 51 Teamberufungen und zwei WM-Teilnahmen (1954 und 1958).

"Aschyl" kannte alle Tricks
Schon als Aktiver in den Reihen von Rapid war der "Stopper" eine große Persönlichkeit. Wegen seiner Souveränität am Ball, Übersicht, Schusskraft und Schlitzohrigkeit. Das Leben und Wirken Happels war geprägt vom Fußball. Er reifte vom fußballverrückten Buben zum herausragenden Spieler und letztlich zum profunden Fachmann als Trainer, der seine Mannschaften oft auch das selbstkreierte "Hollywood" spielen ließ. Seine Schützlinge konnten ihm absolut nichts vormachen, denn aus seiner aktiven Zeit kannte der Ernst, auch Aschyl genannt, alle Tricks, hatte er doch die meisten selbst ausprobiert.

Großer Botschafter des Sports
Im Gegensatz zu so manchen anderen Auslands-Österreichern ließ Happel über sein Heimatland nichts kommen. So winkte er stets ab, wenn jemand etwas Schlechtes über Österreich und den österreichischen Fußball sagte. "Besser machen", entgegnete er stets den Kritikern. Mit dieser Einstellung hatte Happel 26 Jahre seine Heimat im Ausland als großer Botschafter des Sports vertreten. Im Bewusstsein der echten Fußball-Fans wird der "Wödmasta" wohl ewig leben.

11.11.2002 09:45