Mittwoch, 13. November 2002

Nach Havarie: Große Küstenabschnitte Öl-verseucht

  • 35 km Strand betroffen - Drei Viertel des Tanker zerstört

Drei Tage nach dem Tankerunglück vor dem Nordwesten Spaniens hat der Öl-Teppich am Samstag die Küste erreicht. Inzwischen sind nach Angaben der Behörden vom Abend 35 Kilometer Strand mit Ölschlamm verschmutzt. Betroffen waren vor allem Fischerorte wie Camarinas und Muxia an der "Todesküste" Galiciens. Gleichzeitig fiel der havarierte Großtanker "Prestige" langsam auseinander. Etwa drei Viertel des Rumpfes an der Steuerbordseite seien zerstört.

Raue See machte eine Bergung des Schiffes oder ein Umpumpen der mehr als 70 000 Tonnen Öl an Bord unmöglich. Angesichts der Ölverschmutzung untersagten die Behörden in dem betroffenen Gebiet den Fischfang.

Im Kampf gegen eine drohende Ölpest wurden zwar schwimmende Barrieren und Spezialpumpen eingesetzt. Doch ein Sturm mit Windgeschwindigkeiten bis zu 80 Kilometern in der Stunde und sechs Meter hohen Wellen erschwerte die Arbeiten. Überdies wurde der 243 Meter lange und 26 Jahre alte Tanker von der Strömung bis auf weniger als 100 Kilometer wieder an die Küste getrieben. Er drohe infolge des 50 Meter großen Risses im Rumpf auseinander zu brechen, betonten die mit der Bergung beauftragten niederländischen Spezialisten. Weiteres Öl sei aber nicht ausgetreten.

Minister schloss Schäden für Fischerei aus
Agrar- und Fischereiminister Miguel Arias Canete schloss eine Umweltkatastrophe dennoch aus. Der Tanker sei weit genug entfernt. "Auch die Fischerei wird nicht betroffen sein." Dem widersprachen Umweltschützer. Die Organisation WWF sprach von einem "Desaster für die Umwelt und die Fischerei". Mindestens 3000 Tonnen ausgelaufenes Schweröl würden eines der artenreichsten Gebiete des Atlantiks schädigen. "Der Tanker ist eine schwimmende Zeitbombe", sagte WWF- Experte Raul Garcia. Das restliche Öl müsse unbedingt abgepumpt werden.

Zähflüssige Ölflecken
An den Stränden entdeckten Helfer 15 verschmutzte Seevögel, darunter Kormorane und einen Tölpel, wie der Rundfunk meldete. "Der Meeresschaum ist nicht mehr weiß, sondern schwarz", berichtete ein Bewohner der betroffenen Gegend, die vor allem vom Fischfang und der Muschelzucht lebt. An manchen Stellen seien die zähflüssigen Öl- Flecken bis zu 40 Zentimeter dick.

Der Delegierte der Regierung in Galicien, Arsenio Fernandez de Mesa, zeigte sich mit Blick auf das drohende Auseinanderbrechen des Unglückstankers dennoch optimistisch. An der Stelle, wo sich das Schiff befindet, sei das Meer 4000 Meter tief. Austretendes Schweröl würde sich im kalten Wasser verfestigen und auf den Grund sinken, so dass die Folgen in Grenzen gehalten werden könnten. Dennoch forderte Madrid von der Versicherungsfirma des Tankers eine Bankbürgschaft von 60 Millionen Euro, um etwaige Schäden abzusichern.

Griechischer Kapitän vor Haftrichter
Der griechische Kapitän des unter der Fahne der Bahamas fahrenden Schiffes wurde nach seiner Festnahme am Samstag dem Haftrichter vorgeführt. Die Justiz wirft ihm Umweltverbrechen und mutwillige Behinderung der Bergungsarbeiten vor. So habe er sich zunächst geweigert, nach der Havarie am Mittwoch die Motoren wieder anzuwerfen und ein Feuer im Maschinenraum vorgetäuscht.

Schlechte Stimmung zwischen Spanien & Großbritannien
Das Tankerunglück droht zudem zu diplomatischen Verstimmungen zwischen Spanien und Großbritannien zu führen. Madrid beharrt darauf, das Schiff habe mehrmals den Hafen der britischen Kolonie Gibraltar angelaufen, sei dort aber entgegen der in Europa gängigen Praxis nicht untersucht worden. Auch diesmal sei Gibraltar der Zielhafen gewesen. Die britische Botschaft wies dies kategorisch zurück. Die "Prestige" habe sich auf dem Weg nach Singapur befunden, ein Stopp in Gibraltar sei nicht vorgesehen gewesen.

13.11.2002 18:24