Studentenproteste im Iran weiten sich aus
- Zunehmende Empörung über Aghajari-Todesurteil

Im Iran haben am Dienstag rund 5.000 Studenten gegen die Verurteilung des Schriftstellers und Universitätsprofessor Hashem Aghajari zum Tod protestiert und Meinungsfreiheit gefordert. Der 45-jährige Aghajari war wegen "Beleidigung des Propheten" Mohammed zur Höchststrafe verurteilt worden, weil er öffentlich die Meinung ausgedrückt hatte, dass die Moslems "nicht blind" religiösen Führern Gefolgschaft leisten müssten. Damit hatte er sich gegen die etablierte schiitische Geistlichkeit und deren Koran-Auslegung aufgelehnt.
Die Zahl der Protestierenden ist bei den Demonstrationen in den vergangenen vier Tagen stetig angewachsen. Zu Demonstrationen kam es am Dienstag auch in den Städten Täbris, Isfahan, Urumieh und Hamedan. Es waren die größten politischen Proteste in der Islamischen Republik Iran seit drei Jahren. Die Studenten an der Teheraner Universität versammelten sich, um ihre Solidarität mit Aghajari zu bekunden. Der Schriftsteller betätigte sich politisch in der reformorientierten Organisation der "Mujaheddin der Islamischen Revolution" und unterrichtete an der Teheraner Lehrerbildungsanstalt.
Der oberste geistliche Führer Ayatollah Ali Khamenei hat sich in den verschärften Machtkampf zwischen konservativ-islamischen Kräften und den reformorientierten Anhängern von Präsident Mohammad Khatami eingeschaltet. Im iranischen Staatsfernsehen drohte Khamenei Regierung und Parlament den Einsatz der "Volksmacht" an, sollten sie sich nicht "um die wahren Bedürfnisse des Volkes" kümmern. Er hoffe aber, dass es dazu nicht kommen werde.
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