Dienstag, 12. November 2002

Kolumbianische Armee befreit entführten Bischof

  • Erzbischof Jimenez war gemeinsam mit Priester verschleppt
  • Internationale Empörung, auch Papst forderte Freilassung

Der kolumbianischen Armee ist es gelungen den jüngst entführten Bischof Jimenez unverletzt zu befreien! Die Entführung des Vorsitzenden der lateinamerikanischen Bischofskonferenz in Kolumbien durch mutmaßliche FARC-Rebellen hatte international Empörung ausgelöst. Kardinal Pedro Rubiano, der höchste katholische Würdenträger des Landes, verurteilte die Verschleppung von Erzbischof Jorge Jimenez. Selbst Papst Johannes Paul II. hatte die sofortige Freilassung des Geistlichen gefordert.

Die kolumbianische Armee hat am Freitag den entführten Bischof Jorge Enrique Jimenez unverletzt befreit, wie ein Armeesprecher mitteilte. Jimenez, der Bischof der Diözese Zipaquira, war am Montag gemeinsam mit seinem Begleiter, Pater Desiderio Orejuela, auf der Fahrt nach Pacho nördlich von Bogota überfallen und entführt worden. In der Region sind linksgerichtete Guerilleros aktiv. Die Armee machte Rebellen der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) für die Entführung verantwortlich.

Allein im vergangenen Jahr wurden in Kolumbien mehr als 3.000 Menschen entführt - so viel wie in keinem anderen Land der Welt. Die Kämpfe zwischen den Rebellen und der kolumbianischen Regierung dauern seit 38 Jahren an. Im Jahr 2001 kamen dabei rund 3.500 Menschen ums Leben.

Bewaffnete FARC-Rebellen überfielen Bischof
Drei oder vier Bewaffnete hätten die beiden Geistlichen in ihre Gewalt gebracht, teilte die Armee mit. Sie machte umgehend die linksgerichteten Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) für die Tat verantwortlich. Die Kirchenmänner hatten sich zu Taufen und Firmungen in einem kleinen Dorf nahe Pacho nördlich von Bogota aufgehalten. Ihr Fahrer, den die Entführer freiließen, konnte die Polizei alarmieren. Eine groß angelegte Suchaktion der Armee im Norden der Hauptstadt war zunächst ohne Erfolg geblieben. In der Gegend um Pacho halten sich zahlreiche FARC-Kämpfer, aber auch rechtsgerichtete Paramilitärs, auf.

Papst Johannes Paul II verurteilt Entführung
Die Entführung sei ein "Schlag gegen alle Kolumbianer", sagte Kardinal Rubiano. Papst Johannes Paul II. erklärte in einem Telegramm an Rubiano, er bete dafür, dass die Entführer ihre Opfer freiließen und der Gewalt entsagten. In Kolumbien, wo sich auch zahlreiche Drogenbarone und Berufskiller zu ihrem katholischen Glauben bekennen, geraten immer wieder auch Vertreter der Kirchen ins Visier bewaffneter Gruppen. Allein seit März wurden elf katholische Geistliche getötet, unter ihnen der Erzbischof von Cali, Isaias Duarte. Er war zuvor mit Kritik am Drogenhandel in die Schlagzeilen geraten.

Jimenez ist seit knapp zehn Jahren einer der mächtigsten Kirchenmänner Lateinamerikas. Von 1993 bis 1999 leitete der 60-Jährige als Generalsekretär den Lateinamerikanischen Bischofsrat (CELAM). Vor drei Jahren wurde er zum Präsidenten der Organisation gewählt. Er wurde am 29. März 1942 in Bucaramanga (Santander) geboren. 1967 wurde er zum Priester der Gemeinschaft der Eudisten-Patres geweiht, einer Gemeinschaft kirchlicher Erzieher.

Von 1979 bis 1988 war er Studiendirektor des Theologischen Pastoralinstitutes in Lateinamerika (ITEPAL) sowie Leiter des Bereichs Sozialpastoral des Lateinamerikanischen Bischofsrates in Bogota. Der Spezialist für Fragen der Priesterausbildung wurde 1992 Bischof von Zipaquira. Papst Johannes Paul II. ernannte ihn im Jahr 2000 zum Mitglied des päpstlichen Rates für Seelsorge im Gesundheitsdienst. Jimenez ist auch Berater der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika (CAL).

12.11.2002 08:11