Donnerstag, 14. November 2002

"profil": Gusenbauer: "Grüne ziemlich überheblich"

  • SP-Chef attackiert Van der Bellen

SPÖ und Grünen gehen im Endspurt des Wahlkampfes immer mehr auf Distanz: In einem Interview in der Montag erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" richtet der SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer heftige Attacken gegen die Grünen und deren Bundessprecher Alexander Van der Bellen. Das besondere Missfallen des SP-Chefs erregte die Feststellung Van der Bellens, eine rot-grüne Koalition sei auch ohne Gusenbauer denkbar: "Die Grünen glauben, sie könnten sich aussuchen, mit wem sie reden. Das ist ziemlich überheblich."

Wenn Van der Bellen jetzt behaupte, Rot-Grün könne es nur geben, wenn man die SPÖ schwäche, so sei dies nach Meinung des SP-Chefs an Absurdität nicht mehr zu überbieten. Gusenbauer: "Dem Parteivorsitzenden der SPÖ, der gerade mit 99,6 Prozent gewählt wurde und einen höchst erfolgreichen Wahlkampf führt, das Misstrauen auszusprechen, ist wirklich süß."

Sollte die SPÖ bei den Wahlen nur den zweiten Platz erreichen, schließt Gusenbauer persönliche Konsequenzen aus: "Warum sollte derjenige, der die SPÖ in zweieinhalb Jahren aus dem Nichts aufgebaut hat, organisatorisch erneuert hat, jede Wahl bis auf eine seit dem Jahr 2000 gewonnen hat und jetzt einen erfolgreichen Wahlkampf führt, nach der Wahl verschwinden?" Wahlziel sei es jedoch, stärkste Partei zu werden und auf 40 Prozent zu kommen.

Gegenüber "profil" rückt der SPÖ-Vorsitzende von der Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit einem Finanzminister Karl-Heinz Grasser erstmals deutlich ab. Gusenbauer: "Grasser hat klar gesagt, er steht nur für jenen Kurs zur Verfügung, den er bisher bei schwarz-blau gemacht hat. Wenn das seine Meinung ist, dann hat er sich selbst aus dem Rennen genommen." Allerdings sei es Sache der Volkspartei, mit welchem Personalangebot sie in etwaige Regierungsverhandlungen gehe, so Gusenbauer.

Zur Bemerkung des Wiener Bürgermeisters Michael Häupl, der eine Zusammenarbeit mit einem Finanzminister Grasser ausgeschlossen hatte, meint Gusenbauer gegenüber "profil": "Es kann ein jeder seine Privatmeinung abgeben. Ich habe mich darum zu kümmern, wie in Zukunft das Land regiert wird. Das ist ein kleiner Unterschied."

Seinen Vergleich der rot-grünen Bundesregierung in Deutschland mit der schwarz-blauen in Österreich will Gusenbauer im "profil"-Interview nicht zurücknehmen: "Man kann sagen, in einem Punkt ist die rot-grüne Regierung in Deutschland tatsächlich wie die schwarz-blaue in Österreich. Beide haben vor der Wahl nicht wirklich gesagt, wie die Budgetsituation ausschaut."

14.11.2002 08:18