Montag, 11. November 2002

Bis zu 1,2 Mio. Zuseher bei Van der Bellen vs. Haupt

  • Angriffslustiges TV-Match zwischen Grün und Blau
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Nicht untergriffig, aber sehr wohl angriffslustig verlief das fünfte TV-Duell zwischen dem interimistischen FPÖ-Obmann Herbert Haupt und dem Grünen Bundessprecher Alexander Van der Bellen vor bis zu 1,2 Millionen Zusehern. Im Durchschnitt lockte die Konfrontation 981.000 Zuseher vor den Fernseher. Hauptthemen waren Karl-Heinz Grassers Wechsel zur ÖVP, die Drogenproblematik, Antisemitismus-Vorwürfe an Jörg Haider und Anti-Atom-Politik. In ersten Reaktionen kritisierten SPÖ und ÖVP die Kontrahenten. Am Donnerstag wird´s spannend! Da folgt das Kanzler-Duell zwischen Alfred Gusenbauer und Wolfgang Schüssel (siehe Kasten rechts).

Es werde keinen Parteiausschluss für Grasser geben, man werde der ÖVP nicht den Gefallen einer "Drohgebärde" machen, so Haupt zum wichtigsten Thema des Tages. Van der Bellen bezeichnete die Bilanz des Finanzministers als "nicht gerade rosig" und schloss eine schwarz-grüne Koalition unter Einbeziehung Grassers aus. Kontroversiell war die Diskussion vor allem bei den Themen Drogenpolitik, Antisemitismus und Abfangjäger.

Zuschauerrekord bei 5. TV-Duell
Das fünfte TV-Duell brachte einen neuen Zuschauerrekord. Durchschnittlich 981.000 TV-Zuseher, zu Spitzenzeiten 1,2 Millionen, haben am Dienstagabend die Konfrontation verfolgt. Dies entspricht laut ORF einer Reichweite von 14,5 Prozent. Der nationale Marktanteil lag bei 33 Prozent.

Thema Drogenproblematik
In der Drogenproblematik versuchte Van der Bellen, die Situation zu entschärfen. Es stimme jedenfalls nicht, dass der Kleinkonsum von Haschzigaretten "oder wie das Zeug heißt" straffrei sei. Pro Jahr gebe es über 21.000 Anzeigen und viele Verurteilungen Jugendlicher. Van der Bellen präsentierte auch eine Broschüre des Sozialministeriums, in der deutlich bestritten werde, dass Cannabis eine Einstiegsdroge sei. Allerdings sei das ganze kein Wahlkampfthema, weil es zu komplex sei und bei den Menschen Angst auslöse.

Thema Antisemitismus
Beim Thema Antisemitismus kritisierte Van der Bellen die Wortwahl des Kärntner LH Jörg Haider (FPÖ) mit "Pseudowitzen" über Ariel Muzicant und zuletzt Aussagen über Finanzminisiter Karl-Heinz Grasser, die vom FPÖ-Europaabgeordneten Peter Sichrovsky als antisemitischer Ausfall bezeichnet wurden. Außerdem stieß er sich an der jüngsten Irak-Reise von Haider. Zu dieser meinte Haupt, es sei ihm lieber, wenn jemand einen "Mosaikstein" für den Frieden setze. Was Sichrovsky betrifft, teile er dessen Kritik an Haider nicht. "Mir ist nicht aufgefallen, dass damit antisemitische Äußerungen verbunden sind".

Thema Atompolitik
Einig waren sich Van der Bellen und Haupt darin, einer Aufstockung der Euratom-Mittel für Atomkraftwerke auf EU-Ebene nicht zuzustimmen. Der Grünen-Chef sprach sich dafür aus, Grasser für den Ecofin-Rat einen "Veto-Auftrag" mitzugeben. "Selbstverständlich und gerne", antwortete Haupt.

Thema Transitverkehr
Beim Transitverkehr vermisste Van der Bellen von Infrastrukturminister Mathias Reichhold (FPÖ) ein klares Auftreten für eine Obergrenze beim Lkw-Transit auf der Brennerroute. Er wollte von der FPÖ die Zusicherung, sich dafür einzusetzen, in der Mautpolitik die Rückverlagerung der Verantwortung von Brüssel auf nationale Ebene zu unterstützen. Haupt replizierte, die Nagelprobe werde sein, ob die Regierung "trotz der unbefriedigenden Situation im Transitverkehr" die Osterweiterung vertrete. Der Grünen-Chef wandte sich dagegen, die Transitfrage mit der Osterweiterung zu verknüpfen.

Donnerstag: Das Kanzler-Duell!
Das spannende und entscheidende Kanzler-Duell Alfred Gusenbauer (SPÖ) und Wolfgang Schüssel (ÖVP) findet am Donnerstag auch um 20.15 Uhr in ORF 2 statt.

11.11.2002 21:36