Montag, 11. November 2002

Häupl: Kein Rot-Schwarz mit Grasser

  • Häupl sieht keinen Widerspruch zu Gusenbauer

Der Wiener SPÖ-Chef Bürgermeister Michael Häupl sieht keinen Widerspruch zwischen sich und SPÖ-Spitzenkandidat Alfred Gusenbauer in Sachen Karl-Heinz Grasser. Er bleibe persönlich dabei, dass er eine Zustimmung der SPÖ zu einem Finanzminister Grasser für unmöglich halte, so Häupl am Samstag im "Journal zu Gast". Gusenbauer wiederum habe in einer ersten Emotion eine Zusammenarbeit mit Grasser abgelehnt. Der Spitzenkandidat habe sich dann aber seiner "konsequenten" Haltung besonnen, dass er sich mit Inhalten und nicht mit Personen auseinander setzen wolle.

Häupl betonte, Grasser sei "hauptverantwortlich für alle Politiken, die von der SPÖ abgelehnt werden". Er drücke sich diesbezüglich eben "ein wenig schärfer" aus als Gusenbauer. Überrascht habe ihn das Angebot Wolfgang Schüssels an Grasser nicht. Der Minister sei in der FPÖ ja schon zuvor als "agent provocateur" aufgetreten: "Da war ja vieles auf Bruch angelegt, aus welchen Gründen auch immer. Aber das ist nicht mein Bier, das ist das Bier der FPÖ."

Was künftige Koalitionen betrifft, meinte der Bürgermeister, dass die SPÖ nach der Wahl mit ÖVP und Grünen Gespräche führen solle. Wenn aber Landwirtschaftsminister Wilhelm Molterer meine, die Menschen wollten keine große Koalition, oder Landeshauptmann Erwin Pröll sich für Grasser ausspreche, gewinne er den Eindruck, dass die ÖVP gar keine Zusammenarbeit wolle. Zu den Grünen sagte Häupl, es gebe "sachliche Meinungsverschiedenheiten".

Zurückhaltend gab sich Häupl zur Frage, ob Gusenbauer noch weitere Quereinsteiger präsentieren werde. Dies sei Angelegenheit des Parteivorsitzenden. Wenn er, Häupl, diese Frage nun mit ja beantworten würde, wäre das medial nicht gut. Konkret auf seine frühere Finanzstadträtin Brigitte Ederer angesprochen, sagte Häupl, er verstehe, dass Ederer intensiv über eine Rückkehr in die Politik nachdenke. Ob sie zurück kehren werde: "Das weiß ich nicht, ich bilde keine Regierung."

Zu seinen Erwartungen an die Wahlen meinte Häupl, er habe ein "positives Gefühl" und schätze die Aussichten der SPÖ auf 38 bis 40 Prozent. In Wien will er sogar "wesentlich über 40 Prozent" liegen.

In einer Aussendung forderte Häupl den ÖVP-Spitzenkandidaten Schüssel auf, die "Schmutzkübelkampagne" gegen seine Heimatstadt Wien einzustellen. Es sei "schäbig und traurig, dass ein Spitzenrepräsentant Österreichs einzig und allein aus durchsichtigen politischen Motiven eine der schönsten und lebenswertesten Metropolen der Welt anschwärzt". Wien liege in Sachen Lebensqualität von weltweit 215 Großstädten mit Zürich an der Spitze, es gebe das höchste Durchschnittseinkommen und ein Viertel aller Arbeitsplätze.

11.11.2002 21:06